Mittwoch, 28. Juli 2004

Michael Jackson vor Gericht: Beginn des Kindesmissbrauchs-Prozesses erst 2005

  • Richter folgt dem Antrag Jackos Verteidigung
  • Staatsanwaltschaft erhebt neue Vorwürfe gegen Popstar

Popstar Michael Jackson soll einen von ihm missbrauchten Buben und dessen Familie zu falschen Ehrenerklärungen genötigt haben. Aussagen des Buben und seiner Angehörigen auf einem Video, wonach Jackson sich niemals an dem Kind vergangen habe, seien entstanden, nachdem die Familie auf der Ranch des Sängers festgehalten worden war, sagte Staatsanwalt Gordon Auchincloss bei einer Anhörung vor dem Gericht in Santa Maria (Kalifornien) am Dienstag (Ortszeit). Auf Antrag der Verteidigung, die auch diese neuen Vorwürfe gegen den 45-jährigen Star zurückwies, wurde die Eröffnung des Hauptverfahrens von Mitte September auf den 31. Jänner 2005 verschoben.

Richter Rodney Melville akzeptierte damit den Einwand der Rechtsanwälte, dass sie angesichts der zunehmenden Komplexität des Verfahrens mehr Zeit zur Vorbereitung der Verteidigung bräuchten. Der Stellvertretende Bezirksstaatsanwalt Auchincloss legte dar, dass Jackson nach einer Fernsehdokumentation des britischen Senders BBC über dessen Verhältnis zu Kindern im Februar 2003 in Panik geraten sei.

In dem Film "Living With Michael Jackson" hatte er selbst erklärt, er teile sein Bett mit Kindern. Das habe jedoch nichts mit Sex zu tun. Der betreffende Bub war in dem Film zu sehen. Anschließend habe Jackson negative Folgen der Dokumentation für seine Karriere befürchtet, erklärte Auchincloss. Er habe den Buben, den er zuvor sexuell missbraucht habe, mit einem Privatjet auf seine Neverland Ranch bringen lassen und dort praktisch gefangen gehalten.

Später habe er den Buben und dessen Familie in verschiedenen Luxus-Domizilen "Urlaub" machen lassen, bis sie auf einem Video jeglichen Missbrauchsvorwürfen widersprachen. Der Staatsanwalt sagte, es seien insgesamt 28 solcher "versteckten Handlungen" bekannt, die alle den Vorwurf einer Verschwörung untermauerten. Jackson-Verteidiger Thomas Mesereau wies die Vorwürfe zurück. Die "Vorstellung, dass sie gefangen gehalten und dann gezwungen wurden, mit Privatflugzeugen nach Florida zu reisen", sei "absurd".

Jackson wird in der zehn Punkte umfassenden Anklageschrift angelastet, sich zwischen Februar und März 2003 an dem damals Zwölfjährigen vergangen zu haben. Der Popstar wurde im November festgenommen und befindet sich gegen Millionen-Kaution auf freiem Fuß. Zu den Anklagepunkten gehören außer Kindesmissbrauch in vier Fällen auch Verschwörung zur Kindesentführung. Jackson hat sich in allen Punkten für nicht schuldig erklärt.


(apa/red)

28.7.2004 09:23

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