Mittwoch, 28. Juli 2004

Yukos-Krise treibt US-Ölpreis auf bisher höchsten Stand - bereits über 43 Dollar!

  • OPEC-Öl auf höchstem Stand seit Kuwait-Krise 1990
  • Weitere Benzinpreis-Verteuerung nicht ausgeschlossen

Die Furcht vor Produktionsausfällen beim russischen Ölkonzern Yukos, erneute Anschläge im Irak und hohe US-Ölimporte bei zugleich niedrigen US-Öllagerbeständen haben die Ölpreise am Mittwoch international auf neue Höchststände seit Jahren getrieben.

Der Preis für Rohöl zur Septemberauslieferung kletterte in New York in der Spitze bis auf 43,05 Dollar (35,77 Euro) je Barrel (159 Liter) und fiel dann leicht auf 42,85 Dollar. Damit lag der Ölpreis auf dem höchsten Niveau seit Beginn des Ölterminhandels in New York im Jahr 1983. Der bisherige Rekord war Anfang Juni d.J. mit 42,45 Dollar je Barrel verbucht worden.

Auch OPEC-Öl teurer
Wie das OPEC-Sekretariat in Wien mitteilte, wurde der Korbpreis für die sieben wichtigsten Sorten des Kartells am Mittwoch mit 37,95 US-Dollar (31,54 Euro) pro Barrel (159 Liter) ermittelt. Das waren um 68 Cent mehr als die 37,27 Dollar am Vortag.

Händler führten den Anstieg hauptsächlich auf Ängste über Produktionsausfälle beim größten russischen Ölexporteur Yukos zurück. Auf Yukos entfallen rund 20 Prozent der Ölförderung Russlands. Das Unternehmen, das sich in einem Steuerdisput im Wert von 3,4 Mrd. Dollar (derzeit 2,83 Mrd. Euro) mit der russischen Regierung befindet, produziert nach Angaben des "Wall Street Journals" (WSJ) täglich 1,7 Mio. Barrel Öl. Der Konzern hatte davor gewarnt, dass die Produktion nach dem vom russischen Justizministerium angeordneten Verkauf des Förderbetriebs Juganskneftegas für Tage ausfallen könnte.

Terror im Irak und Nachfrage in China als Preistreiber
Analystin Katja Blanke von der Landesbank Rheinland-Pfalz nannte als Gründe für den weiteren Ölpreisanstieg neben der Yukos-Affäre, die Terroranschläge im Irak, die geringen Lagervorräte in den USA sowie die hohe Nachfrage aus China. "Die Preise sind wegen neuer Ängste über mögliche Versorgungsengpässe nach oben geschossen", sagte auch Ölexperte Peter Luxtion von Informa Global Market.

In den USA hat der Import von Rohöl in der vergangenen Woche mit 11,3 Mio. Barrel täglich einen neuen Rekordstand erklommen, wie die US-Energieagentur EIA am Mittwoch mitteilte. Dabei nahmen die Einfuhren um mehr als 1,2 Mio. Barrel täglich zu, wobei große Mengen aus Nigeria, Kanada und Mexiko importiert wurden. Nach Daten des American Petroleum Institute (API) verringerten sich die US-Lagerbestände an Rohöl in der Woche zum 23. Juli um 3,1 auf 298,7 Mio. Barrel. Die Bestände an Benzin schrumpften sogar um 3,3 auf 209,3 Mio. Barrel. Diese Daten trieben die Ölpreise am Mittwoch zusätzlich an.
(apa/red)

28.7.2004 14:16