Neue europäische Großbank: Spanische SCH übernimmt britische Abbey National
- Damit entsteht viertgrößtes europäisches Bankhaus
- Spanier zahlen für Übernahme 12,8 Milliarden Euro
Die größte spanische Bank Santander Central Hispano (SCH) kauft das angeschlagene britische Geldinstitut Abbey National für insgesamt 8,5 Mrd. Pfund (12,82 Mrd. Euro) . Diese Summe gaben beide Unternehmen Montag in London bekannt. Durch den Zusammenschluss der beiden Geldhäuser entsteht gemessen an dem addierten Börsenwert von gut 51 Mrd. Euro die viertgrößte europäische Bank und die achtgrößte der Welt. SCH hatte am Vortag in Madrid bei einer außerordentlichen Vorstandssitzung das milliardenschwere Angebot für 100 Prozent des britischen Großbank abgegeben.
Für jede Abbey-Aktie bietet Santander 31 Pence in bar zuzüglich einer SCH-Aktie. Abbey teilte mit, man habe mit den Spaniern Übereinstimmung zu den finanziellen Bedingungen des Zusammenschlusses erzielt.
SCH rechnet mit Kosten- und Ertragssynergien in Höhe von 560 Mio. Euro ab dem dritten Jahr der Übernahme. Die spanische Großbank bezeichnete den Kauf als "reizvolle Plattform", von der aus sie nun in den lukrativen britischen Bankenmarkt eindringen könne. Abbey-Chef Luqman Arnold sagte, mit dem neuen Partner bekomme seine Bank das Know-how, um die vor 18 Monaten begonnene Restrukturierung zu beschleunigen. Die Abbey-Aktionäre müssen der Übernahme noch zustimmen.
An der Londoner Börse fielen Abbey-Aktien um 5,5 Prozent auf 548 Pence, hatten jedoch am vergangenen Freitag wegen der Übernahmegespräche nahezu 18 Prozent zugelegt.
Abbey National ist mit 10,9 Mrd. Euro Marktkapitalisierung, 741 Niederlassungen und rund 18 Millionen Kunden die sechstgrößte britische Bank und zweitgrößter Hypothekenfinanzierer des Landes. Die größten Sitze sind in London, Milton Keynes, Bradford, Glasgow und in Edinburgh. Ende 2003 hatte die Bank rund 25.900 Beschäftigte.
In den letzten Monaten hatte das Institut nach massiven Verlusten in den vergangenen zwei Jahren sein Geschäft einer Generalüberholung unterzogen: Arbeitsplätze wurden gestrichen, Beteiligungen außerhalb des Kerngeschäfts veräußert und das Geschäft neu organisiert. Nach Verlusten in Höhe von rund einer Milliarde Euro 2003 und 1,4 Mrd. Euro 2002 hatte Abbey für das laufende Jahr die Rückkehr in die Gewinnzone in Aussicht gestellt.
Sollte der Zusammenschluss gelingen, wäre dies die erste Übernahme einer britischen Bank durch einen europäischen Konkurrenten und die erste größere Übernahme eines britischen Geldhauses seit 1992, als der Finanzriese HSBC die Midland Bank übernommen hatte. Mit SCH hatte Abbey dieses Jahr schon einmal verhandelt, die Gespräche waren dann aber - offiziell wegen Indiskretionen - abgebrochen worden. Analysten vermuteten aber, dass die Gespräche damals am Preis gescheitert waren.
(apa/red)
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