Sonntag, 1. August 2004

Olympia kommt Griechen teuer zu stehen: Eine Milliarde Euro für die Sicherheit!

  • 70.000 Einsatzkräfte sorgen für reibungslosen Ablauf
  • Unterstützung durch NATO auf See, Land und in der Luft

Mit einem Budget von rund einer Milliarde Euro ist das Athener Sicherheitskonzept das teuerste in der Olympia-Geschichte. 70.000 Einsatzkräfte von Armee, Polizei, Küstenwache und Feuerwehr sowie die Zusammenarbeit mit der NATO und internationalen Geheimdiensten sollen auf der Basis modernster Technologie für die Sicherheit der Besucher aus aller Welt garantieren.

Die NATO hat den Einsatz von Aufklärungs-Flugzeugen (AWACS), Patrouillenbooten und einer Spezialtruppe für potenzielle chemische und biologische Anschläge mit Basis in Halkida genehmigt und übernimmt auch das Kommando über die Antiterrorkräfte.

Die griechischen Behörden haben bereits Anfang Juni Geigerzähler aus US-Beständen an Landesgrenzen und neuralgischen Punkten installiert. Die insgesamt 32 Geräte dienen zur Ortung von radioaktivem Material. Seit Anfang Juni werden zudem sämtliche Wettkampfstätten und Olympia-Anlagen von Sicherheitsexperten bis in den letzten Winkel kontrolliert und bis zum Beginn der Spiele für nicht akkreditierte Personen gesperrt.

Auch die Behörden der angrenzenden Länder haben ihre Maßnahmen verschärft. Die Grenzen zu Albanien, Mazedonien, Bulgarien und der Türkei werden verstärkt kontrolliert, um die Einreise krimineller oder terroristischer Gruppierungen nach Griechenland zu verhindern.

Einsatz für Schreckensszenarien trainiert
Seit fast drei Jahren werden die griechischen Einsatzkräfte geschult und trainiert. Die Operationen "Trojanisches Pferd", "Gordischer Knoten", "Regenbogen 2002" und "Schild des Herkules" waren nur einige der Aktivitäten, mit denen der Ernstfall wie beispielsweise eine Flugzeugentführung, ein Angriff mit biologischen Waffen oder ein Zwischenfall im Hafen von Piräus simuliert wurden.

Wenige Tage vor Beginn der Spiele hat in Athen die "Alarmstufe Rot" begonnen. An diesem Sicherheitsprogramm nehmen allein in Athen 19.502 Polizeibeamte und 10.422 Militärs der eigens zu diesem Zweck gebildeten Olympia-Division teil. Der Plan unter dem Code-Namen "Polydeukes" beschreibt die Schutzmaßnahmen für rund 6.000 offizielle Besucher, 10.500 Athleten und 21.500 Medienvertreter.

Weiters wird erklärt, wie die Stadt, die Grenzen des Landes und die Fähren in der Ägäis beschützt werden sollen. Handlungsanweisungen erläutern das Vorgehen bei einem Terrorangriff mit ABC-Waffen und die Einteilung des Luftraums über Athen in zwei kreisförmige Kontrollzonen. Zum Einsatz kommen die NATO-Flugzeuge des Frühwarnsystems (AWACS) und ferngesteuerte Modellflugkörper. Die zwei Kontrollzonen an der Küste werden durch die griechische Kriegsmarine und die ständige Flotte der NATO im Mittelmeer kontrolliert.

Olympia-Gegner ärgern Security
Ungeachtet der scharfen Maßnahmen versuchen auch Gegner der Spiele immer wieder, die Sicherheitskräfte zu "ärgern". Drei Mal innerhalb von sieben Tagen fuhr kürzlich eine Fähre mit dreistündiger Verspätung ab. Die 445 Passagiere der "Romilda" mussten ausgeschifft werden. Zuvor hatte ein Unbekannter behauptet, eine Bombe sei an Bord installiert. Spürhunde durchsuchten das Schiff. Nach Angaben der Polizei gehen täglich im Durchschnitt vier solche Anrufe ein.

Nicht alle sind allerdings mit den scharfen Sicherheitsvorkehrungen einverstanden, weshalb Olympiagegner bereits dagegen protestiert haben. Sie sehen durch die 1.500 Überwachungskameras ihr Leben eingeengt und ihre Persönlichkeits-Rechte verletzt. Den Überwachungs-Zeppelin nennen die Athener bereits den "schwebenden Spion". Zwei solche Luftschiffe werden bei Olympia für Überwachungsaufgaben und TV-Übertragungen eingesetzt. (apa/red)

1.8.2004 13:54