Mittwoch, 28. Juli 2004

Olympia: Nach WWF warnt nun auch Greenpeace vor Folgen für die Umwelt

  • Kritik: Athen habe sich in Umweltfragen disqualifiziert
  • Umweltfreundliche Energie, Recycling... werde ignoriert

Nach dem WWF hat nun auch die Umweltschutzorganisation Greenpeace Kritik in puncto Umweltfragen geäußert. Laut einem am Mittwoch präsentierten Bericht habe sich Griechenland in Umweltfragen disqualifiziert. "Athen hat nichts aus den Spielen in Sydney gelernt", sagte Nikos Charalambides, Greenpeace-Sprecher in Griechenland.

"Athen hat den laufenden Prozess in Richtung nachhaltige Spiele gründlich verschlafen. Das Organisationskomitee hat damit das Olympialimit für Grüne Spiele nicht erreicht."

Dabei seien die Bewerbungsunterlagen für die Spiele von 13.-29. August durchaus ambitioniert gewesen. Aber während Sydney noch geprägt gewesen sei von Erneuerbarer Energie und ökologischem Bauen, sei nun in Athen davon nichts mehr zu spüren.

Kaum Energie aus erneuerbaren Quellen
Ursprüngliches Ziel des ATHOC sei gewesen, dass der gesamte olympische Energieverbrauch aus erneuerbaren Quellen stammen soll. Heute sei aber klar, dass der Anteil vernachlässigbar gering sein wird. "Die lange Liste der Versäumnisse zeigt klar, dass ohne klaren politischen Willen keine Fortschritte möglich sind", kommentierte Charalambides. "Athen wird in Umweltfragen weit hinter Sydney zurückbleiben. Der Abstand ist so groß, dass Athen in diesem Rennen disqualifiziert werden muss."

Lob für öffentlichen Verkehr
Im Bereich des öffentlichen Verkehrs gibt es deutliche Verbesserungen, vor allem was den Ausbau des U-Bahn-Netzes angeht. Einige Sponsoren (Coca Cola, McDonald's, Unilever) werden auf Kühlsysteme mit Fluorierten Kohlenwasserstoffen (FKW) verzichten. Diese Initiative unter dem Namen "Refrigerants Naturally" ist für Greenpeace ein Meilenstein in der Kampagne zum Schutz des Klimas. Im Vorlauf zu den Olympischen Spielen in Sydney 2000 hatte Greenpeace die Firmen zum Ausstieg aus der FKW-Technologie aufgefordert.

Das Internationale Olympische Komitee (IOC) sei dafür verantwortlich, dass Olympische Spiele möglichst geringe Umweltauswirkungen haben. Die Athener Organisatoren sind laut Greenpeace in Umweltfragen aber jeder Auseinandersetzung mit Regierung und Behörden aus dem Weg gegangen.

Nur absolutes Minimum an Umweltschutz
Dabei hätte die griechische Regierung ausreichend Geld und Zeit gehabt sicherzustellen, dass diese Spiele "Grüne" Spiele werden. Stattdessen hätten sie sich für das absolute Minimum an Umweltschutz entschieden. "Das IOC muss die nationalen Komitees stärker in die Pflicht nehmen. Es braucht klare Umweltrichtlinien, schon während der Bewerbungsphase", so Charalambides abschließend. "Wenn das IOC nicht für klare Rahmenbedingungen sorgen kann, dann soll es aufhören, die Umwelt als Olympische Säule zu bezeichnen. In Athen klingt das bloß wie ein schlechter Witz."
(apa/red)

28.7.2004 13:35