Freitag, 30. Juli 2004

Kein Sieger im Wiener Derby: Gerechtes 1:1 hilft Leader Rapid und Verfolger Austria

  • Wilde Krawalle nach Spielende - Polizisten attackiert
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Das 269. Wiener Derby endete mit einer gerechten Punkteteilung. Im mit 11.800 Zuschauern ausverkauften Horr-Stadion trennten sich Austria und Rapid mit einem 1:1-Remis. Die Veilchen sind damit seit 13 Derbys in Folge im Horr-Stadion ungeschlagen. Rapid bleibt nach dem Unentschieden an der Tabellenspitze, die Veilchen rangieren jetzt auf Rang vier. Die Treffer erzielten die beiden Top-Torjäger Rushfeldt (17.) und Kincl (12.). Nach dem Spiel ging's weiter mit dem Gekicke: Diesmal war aber nicht der Ball sondern Polizisten und Hunde die Leidtragenden.

Austria-Coach Günter Kronsteiner sorgte bereits vor Anpfiff für einen Knalleffekt. Der Austria-Teammanager krempelte als Reaktion auf die schwache Darbietung beim 0:0 in Mattersburg seine Truppe ordentlich um, vor allem in der Defensive blieb kein Stein auf dem anderen. Kronsteiner ließ die beiden Neuzugänge Vachousek und Antonsson sowie den erst 18-jährigen Verteidiger Metz debütieren, Troyansky durfte erstmals in dieser Saison von Beginn an spielen. Kaliber wie Wagner, Dospel, Vastic oder Blanchard mussten sich den Klassiker zunächst einmal von der Ersatzbank aus ansehen.

Maier musste Payer ersetzen
Bei Rapid sorgte lediglich die Verletzung von Standard-Keeper Payer (eingeklemmter Nerv) beim Aufwärmen für eine Überraschung in der Aufstellung, "Old Boy" Maier (38) sprang in die Bresche. Für Aufregung rund um das seit Tagen ausverkaufte Stadion sorgten vor Anpfiff einige Rapid-Fans, die die Fan-Tribüne der Austria (West-Tribüne) stürmen wollten, jedoch von 150 Polizisten an ihrem Vorhaben gehindert wurden.

Rapid begann stark und ging in Führung
Austrias "Big Spender" Frank Stronach verabschiedete die Mannen rund um Neo-Kapitän Janocko (100. Liga-Spiel für die Austria) per Handschlag Richtung Spielfeld, aber auch diese Motivationsspritze konnte die anfängliche Überlegenheit der Hütteldorfer nicht verhindern. Nach einem Schnitzer von Troyansky traf Ivanschitz bereits in der 2. Minute die rechte Stange, zehn Minuten später stand es 1:0 für Rapid. Ivanschitz trickste Metz aus, bediente mit einer mustergültigen Flanke von rechts Goalgetter Kincl und der Tscheche erzielte mit einem Kopfball-Aufsitzer ins linke Eck sein viertes Saisontor und die verdiente Führung (12.).

Rushfeldt sorgte für den Ausgleich
Die Antwort der Austria folgte prompt, ein völlig missglückter Pass von Katzer wurde von Sionko abgefangen, der Tscheche legte für Rushfeldt auf und der Norweger schoss durch die Beine des chancenlosen Schlussmannes Maier aus kurzer Distanz ein (17.). Nach der torreichen, von Rapid dominierten Anfangsphase beruhigten sich die erhitzten Gemüter ein wenig, die Fans sahen aber eine besser ins Spiel findende Austria und einen weiterhin erbitterten Derby-Fight um jeden Millimeter. Weitere große Chancen blieben jedoch vor dem Wechsel Mangelware, lediglich Korsos jagte den Ball übers Austria-Tor (42.).

Keine Tore nach der Pause
Die zweiten 45 Minuten begannen mit Verspätung, da die Austria-Anhänger mehrere Rauchbomben Richtung Rasen warfen. Die Austria setzte ihren vor dem Wechsel gezeigten Aufwärtstrend fort, agierte aggressiver und machte den entschlosseneren Eindruck. Rapid tat hingen zu wenig für die Offensive und versuchte das Ergebnis über die Runden zu schaukeln. Auf Seiten der Austria erwischte Gilewicz eine Flanke von Janocko per Kopf nicht richtig (47.), Blanchard feuerte einen gefährlichen Aufsitzer Richtung Maier ab (56.) und Rushfeldt schoss nach Vastic-Pass weit am Tor vorbei (71.). Rapid hatte die beste Chance der zweiten Hälfte aus einem Überraschungs-Freistoß von Hofmann aufs kurze Eck, Didulica rettete jedoch zum Corner (69.).

Trainer sprechen von gerechter Punkteteilung
"Das Derby war ausgeglichen. Wir haben aus der Not eine Tugend gemacht, auf Grund der schlechten Leistungen einiger Spieler waren die Veränderungen notwendig. Wir haben eine relativ junge, unroutinierte Mannschaft aufs Feld geschickt, die sich den Punkt redlich verdient hat", so Austrias Teammanager Günter Kronsteiner nach dem Schlusspfiff.

Auch Rapid-Trainer Hickersberger schlägt in die selbe Kerbe: "Das Unentschieden geht in Ordnung. Keine Mannschaft hat überragend gespielt, das war aber auch zu Saisonbeginn nicht zu erwarten. Wir haben einen Punkt gemacht und die Tabellenführung verteidigt, deshalb sind wir zufrieden. Wir hatten einen guten Start, hatten aber beim Stangenschuss von Ivanschitz Pech. Beim 1:1 haben wir einen fahrlässigen Fehler gemacht, den man sich nicht leisten darf."

Bundesliga-Präsident Frank Stronach drückte seine Daumen natürlich für die Austria und reflektierte das Spielgeschehen wohl am besten: "Ein Remis ist besser als Verlieren, aber schlechter als Gewinnen."

Austria Wien - Rapid Wien 1:1 (1:1)
Horr-Stadion, 11.800 (ausverkauft), SR Meßner.

Torfolge:
0:1 (12.) Kincl
1:1 (17.) Rushfeldt

Austria: Didulica - Metz, Troyansky, Antonsson, Papac - Sionko, Kiesenebner (81. M. Wagner), Vachousek (65. Vastic), Janocko - Rushfeldt, Gilewicz (55. Blanchard)

Rapid: Maier - Katzer (57. Martinez), Martin Hiden (64. Adamski), Feldhofer, Sturm - Korsos, Hofmann, Hlinka, Ivanschitz - Kincl, Dosek (80. Lawaree)

Gelbe Karten: Sionko, M. Wagner bzw. Martin Hiden, Katzer, Korsos, Feldhofer
Die besten Spieler: Kiesenebner, Rushfeldt, Sionko bzw. Hofmann, Kincl

(apa/red)

30.7.2004 13:08