Fußballrechte: Große Aufregung nach der 1. Runde vor Bundeskommunikationssenat
- ATVplus absolut gegen Vergleichsvorschlag
- Nächste Sitzung für den 4. August angesetzt
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Der Streit um die Fernsehrechte der Fußball-Bundesliga zwischen ORF und dem Pay-TV-Sender Premiere sowie dem heimischen Privatsender ATVplus geht in die nächste Runde. Der ORF hatte sich um Kurzberichterstattung in seiner Sport-Hauptnachrichtensendung bemüht, war mit einem entsprechenden Angebot des Rechte-Inhabers Premiere aber nicht zufrieden und legte Beschwerde beim Bundeskommunikationssenat (BKS) ein. Dieser machte den beteiligten Parteien Mittwochabend ein Vergleichsangebot, das nun für heftige Aufregung sorgt.
Der BKS hat nach Informationen der APA vorgeschlagen, dass der ORF von jedem Bundesliga-Spiel Kurzberichte in der Länge von 60 Sekunden bringen können soll - im zeitlichen Umfeld von "Zeit im Bild 1" und "Zeit im Bild 2" und damit vor der ATV-Show "Volltreffer", die um 22.00 Uhr beginnt und bis 23.30 dauert. Über den möglichen Preis, den ORF dafür zu zahlen hätte, wurde vorerst nicht geredet. Der ORF hatte im Vorfeld Interesse an je 90 Sekunden signalisiert. Premiere und ATVplus - der Sender hat die Erstverwertungsrechte im Free-TV - hatten Kurzberichte erst nach "Volltreffer" in Aussicht gestellt. Bis zur nächsten Verhandlungsrunde am 4. August haben die Streitparteien Zeit, den BKS-Vorschlag zu prüfen.
No comments vom ORF
Beim ORF wollte man das laufende Verfahren am Donnerstag, nicht kommentieren, und bei Premiere hieß es, man wolle das Angebot "sachlich prüfen". Heftige Kritik kam indes von ATVplus-Chef Franz Prenner. "Ich war schockiert, mit welcher Unverfrorenheit und Arroganz der ORF agiert hat. Ich habe geglaubt ich bin auf einem anderen Stern", schilderte Prenner, früher selbst leitender ORF-Mitarbeiter, seine Eindrücke von der ersten Verhandlungsrunde im Gespräch mit der APA.
ATVplus lehnt Vergleichsangebot ab
ATV werde das Vergleichsangebot in dieser Form jedenfalls ablehnen, stellte Prenner klar. Sollte der BKS bei Nichteinigung eine Entscheidung treffen, die in Richtung dieses Vergleichsangebots gehe, dann "würden wir das durch alle Instanzen - bis zur EU - anfechten". Premiere und ATV zahlten für die Bundesliga etwa 35 Mio. Euro an Rechte- und Produktionskosten. Allein die ATV-Show "Volltreffer" koste zwei Mio. Euro. "Der ORF will um 20.00 Uhr vier Mal 60 Sekunden bringen und dafür fünf Euro pro Sekunde zahlen. Das macht 300 Euro pro Spiel oder 1.200 Euro pro Spielrunde. Da ist für uns der gesamte Deal hinfällig. Das muss verhindert werden", so Prenner.
ATVplus-Chef Prenner: "Fadenscheinige Interpretation"
Der Vergleichsvorschlag sei eine "fadenscheinige Interpretation" des öffentlich-rechtlichen Auftrags und von einer "was-nicht-im-ORF-stattfindet-findet-nicht-im-Fernsehen-statt-Mentali tät" getragen, so Prenner. Dies käme einer "Verstaatlichung des Rechtehandels" gleich. "Ich kann mir aber nicht vorstellen, dass so entschieden wird."
Basis des Streits ist das Fernsehexklusivrechtegesetz aus dem Jahr 2001, das auf einer EU-Richtlinie basiert. Es sieht ein "Recht auf Kurzberichterstattung" vor: Hat ein Fernsehveranstalter die Exklusivrechte an einem "Ereignis von allgemeinem Informationsinteresse" erworben, muss er anderen TV-Sendern "zu angemessenen Bedingungen" erlauben, maximal 90 Sekunden dieses Ereignisses für die Berichterstattung zu verwenden.
(apa)
