Kerry geht mit Bush hart ins Gericht: "Wir werden keine sinnlosen Kriege führen"
- US-Medien reagieren verhalten: "Verpasste Chance"
- PLUS: Auszüge aus Kerrys Rede am Parteitag
·US-Medien: Kritik über Kerry-Rede
Washington Post titelt:
"Verpasste Chance"
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Standpunkte und politische
Ziele von Demokrat Kerry
"Ja, ich nehme die Präsidentschaftskandidatur an!" Senator John F. Kerry hat zum Abschluss der Convention in Boston offiziell die Nominierung seiner Partei als Kandidat für die Präsidentschaftswahlen angenommen. In seiner umjubelten Rede hat Kerry den Amerikanern mehr Stärke, Glaubwürdigkeit und Sicherheit versprochen. Auch Bush kam nicht ungeschoren davon: "Wir werden keine sinnlosen Kriege führen", versprach Kerry vor tausenden Demokraten im bis auf den letzten Platz gefüllten Fleet Center in Boston.
Amerika sollte nur Kriege führen, die notwendig sind, und nach dem Plan für den Krieg auch einen Plan zum Gewinn des Friedens haben, kritisierte er die Irak-Kriegspolitik von Präsident George W. Bush. Unter dem Jubel der Delegierten, einem Schauer von roten, weißen und blauen Luftballons und den Klängen "Go Johnny Go" ging die viertägige Convention im Fleet Center in Boston zu Ende.
Aufhebung der Steuererleichterung für Reiche
Kerry kündigte auch wirtschaftliche und soziale Reformen an, um der "ausgequetschten Mittelschicht" zu helfen. Gemeinsam mit seinem Running Mate Senator John Edwards werde er seinen Wirtschaftsplan umsetzen und Bildung, Gesundheitsvorsorge und Sozialausgaben durch die Aufhebung der Steuererleichterungen für die reichsten Amerikaner besser finanzieren. Jeder Amerikaner müsse sich eine Krankenversicherung leisten können. In den USA haben 44 Millionen keine Krankenversicherung und sind auf ein löchriges Netzwerk von Gesundheitsvorsorge angewiesen.
Glaubwürdigkeit wieder herstellen
Als Präsident werde er mit Vizepräsident John Edwards die Glaubwürdigkeit des Weißen Hauses wiederherstellen. "Ich bin John Kerry, und ich melde mich zur Stelle", leitete er seine Rede mit einer militärischen Formulierung ein. Zuvor hatte ihn der Vietnam-Veteran und Kriegsversehrte Max Cleland vorgestellt und als seinen "Bruder" bezeichnet. Auch mehrere von Kerrys ehemaligen Kameraden in Vietnam, die mit ihm im Schnellboot fuhren und kämpften, kamen zum Parteitag. Darunter war auch Jim Rassmann, dem Kerry in Vietnam das Leben gerettet hatte.
Prägende Erinnerung an das geteilte Berlin
Als besonders prägend für sein ganzes Leben bezeichnet John Kerry seine Kindheitserlebnisse im geteilten Berlin. Kerrys Vater war Anfang der 50er Jahre als Diplomat in Westberlin im Einsatz. In Berlin habe er seinen Stolz auf die USA als Land der Freiheit entwickelt, erzählte der 60-jährige Senator: "Ich sah, wie verschieden das Leben auf den verschiedenen Seiten derselben Stadt war. Ich sah die Furcht in den Augen der Menschen, die nicht frei waren. Ich sah die Dankbarkeit der Menschen gegenüber den Vereinigten Staaten für alles, was wir getan hatten".
Bush persönlich angesprochen
Gegen Ende seiner Parteitagsrede wandte sich John Kerry direkt an den Mann, den er aus dem Weißen Haus vertreiben will: "Lassen Sie uns in den nächsten Wochen Optimisten sein, nicht nur Opponenten", appellierte der frisch nominierte Präsidentschaftskandidat der US-Demokraten am Donnerstag an George W. Bush. "Lassen Sie uns Einheit in der amerikanischen Familie schaffen, keine wütende Polarisierung."
Präsident Bush am Tiefpunkt
Während des Parteitags der oppositionellen Demokraten in den USA ist die Popularität von Präsident George W. Bush weiter gesunken. In einer am Freitag veröffentlichten Umfrage des Instituts Zogby America sprachen sich 48 Prozent der Befragten für den demokratischen Kandidaten John Kerry und dessen Vize John Edwards aus. Der republikanische Amtsinhaber und sein Stellvertreter Dick Cheney kamen auf 43 Prozent Zustimmung.
Der Wahlparteitag der Republikaner, bei dem Amtsinhaber George W. Bush den Wählern präsentiert wird, folgt Anfang September in New York.
(apa/red)
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