Sonntag, 1. August 2004

Granaten-Attentat im Prager Stadtzentrum: 18 Menschen bei starker Explosion verletzt

  • Touristen unter den Opfern, keine Österreicher betroffen
  • Unterwelt-Fehde als Auslöser, Suche nach Täter läuft

Chaos in der Prager Innenstadt: Bei einem Handgranatenanschlag auf ein privates Spielcasino im Zentrum der tschechischen Hauptstadt Prag sind 18 Menschen verletzt worden, darunter Touristen aus England, Irland und den USA. Österreicher sind nach ersten Informationen des Außenministeriums in Wien nicht unter den Verletzten, sagte eine Sprecherin.

Nach Angaben eines Behördensprechers befand sich keines der Opfer in Lebensgefahr. Es soll sich um einen Anschlag im Milieu krimineller Banden handeln. Nach Angaben des Chefs des Prager Rettungsdienstes, Zdenek Schwarz, wurden bei der Explosion vorwiegend ausländische Touristen verletzt. Die meisten seien Briten und Iren. Außerdem seien zwei Zyprioten, ein Slowake und zwei Tschechen verletzt worden.

Die Wunden einer Tschechin seien schwer, die übrigen Oper kamen mit weniger gravierenden Verletzungen davon. Betroffen waren vor allem die Gäste des Restaurants "Casino Royal", die an den Tischen direkt auf der Straße gesessen hatten.

Nach Angaben tschechischer Sicherheitskreise galt der Anschlag vermutlich dem aus Israel stammenden Besitzer des Casinos, berichtete die Nachrichtenagentur dpa. Der Vater des Mannes sei vor zwei Jahren in Prag von Unbekannten ermordet worden.

Auch der tschechische Ministerpräsident Stanislav Gross schloss einen terroristischen Hintergrund aus. Es gehe vermutlich um eine Abrechnung zwischen rivalisierenden Banden im Untergrund, sagte der Sozialdemokrat kurz nach der Explosion bei einer Besichtigung des Tatorts: "Wir haben eine gute Chance, den Täter ausfindig zu machen."

Augenzeugen sprachen von einer Granate, die unter ein Auto geworfen worden sei. Der Wagen gehöre zum Umkreis des Spielsalons.

Da die Geschäfte der Prager Innenstadt täglich geöffnet sind, halten sich normalerweise auch sonntags zahlreiche Menschen im Zentrum auf. Die meisten davon sind Touristen. (apa/red)

1.8.2004 13:32