Sonntag, 1. August 2004

60. Jahrestag des Warschauer Aufstands: Schröder und Powell bei Gedenkfeier

  • Rund 18.000 Widerstandskämpfer und 180.000 Zivilisten starben bei den Kampfhandlungen

In Polen ist des 60. Jahrestages des Warschauer Aufstands gegen die deutsche Nazi-Besatzung im Zweiten Weltkrieg gedacht worden. Mit Gerhard Schröder nahm erstmals ein deutscher Regierungschef an der Gedenkfeier teil. Auch US- Außenminister Powell und der stellvertretende britische Premier Prescott waren anwesend.

Schröder hob in seiner Rede die Bedeutung Polens für ein freies und geeintes Europa hervor. Gleichzeitig erteilte der Kanzler Entschädigungsforderungen deutscher Vertriebener eine klare Absage. Es dürfe "heute keinen Raum mehr geben für Restitutionsansprüche aus Deutschland, die die Geschichte auf den Kopf stellen", sagte der Kanzler.

Veteranen des Warschauer Aufstands haben Schröder anschließend mit der Medaille "Das kämpfende Polen" ausgezeichnet. Auf dem Warschauer Wolski-Friedhof, auf dem viele Kämpfer des Aufstands gegen die deutsche Besatzung vor 60 Jahren begraben sind, erhielten erst Schröder, dann Powell und Prescott die Medaille der Veteranenverbände. Anschließend umarmten sich Schröder und der ehemaliger Kämpfer, der ihm die Medaille überreichte.

Einigen dutzend zumeist älteren Zuschauern gefiel die Geste der Versöhnung nicht: Sie begleiteten die Szene mit Pfiffen und Buhrufen. Mehrere Anwesende protestierten erneut mit Pfiffen, als Schröder nach dem polnischen Präsidenten Aleksander Kwasniewski und Ministerpräsident Marek Belka einen Kranz niederlegte. Auf dem Friedhof sind rund 50.000 Opfer aus der Zeit der deutschen Besatzung Warschaus begraben.

Bei dem Aufstand der polnischen Untergrundarmee, der am 1. August 1944 begann und nach zwei Monaten von den deutschen Besatzern brutal niedergeschlagen wurde, starben rund 18.000 Widerstandskämpfer und 180.000 Zivilisten. (apa)

1.8.2004 10:44