Freitag, 30. Juli 2004

Aus Mitleid: Deutscher Krankenpfleger soll zehn Patienten getötet haben!

  • Sechs Frauen und vier Männer durch Injektionen umgebracht - Staatsanwaltschaft ermittelt gegen 25-Jährigen

Ein Krankenpfleger im Allgäu soll mehrere schwerst kranke Patienten in einer Klinik getötet haben. Bei den Opfern handelt es sich um sechs Frauen im Alter von 70 bis 89 Jahren und vier Männer zwischen 60 und 88 Jahren. Der geständige Pfleger sitzt seit Donnerstag in U-Haft.

Staatsanwaltschaft und Polizeidirektion Kempten im Allgäu (Bayern) haben am Freitagnachmittag erste Ermittlungsergebnisse zum Verdacht gegen den aus Baden-Württemberg stammenden 25-Jährigen bekannt gegeben. Ihm wird vorgeworfen, Patienten im Krankenhaus Sonthofen getötet zu haben.

Aufgeflogen war die Mordserie, weil Mitte Juli vom Krankenhaus Sonthofen Anzeige wegen Diebstahls von Tranquilizer- und Narkose-Medikamenten (Midazolam, Etomidat, Lysthenon) aus dem Medizinschrank der Inneren Abteilung erstattet wurde. Bei den polizeilichen Ermittlungen richtete sich der Verdacht bald gegen den 25-jährigen Pfleger.

Bei einer Durchsuchung seiner Wohnung fanden die Kriminalisten angebrochene Ampullen, die der Verdächtige angeblich "versehentlich" mit nach Hause genommen hatte. Es wurde ihm jedoch nachgewiesen, dass er die Medikamente zur Tötung von Patienten verwendet haben könnte. Der Verdacht wurde durch weitere Polizeirecherchen erhärtet, und am 29. Juli klickten schließlich die Handschellen.

Nach der Festnahme war der Beschuldigte sofort geständig. Er gab an, von März 2003 bis Juli 2004 zehn Patienten, die er namentlich benennen konnte, durch Injektionen getötet zu haben. Als Motiv gab der unverheiratete Pfleger an, dass er das Leid der kranken und "dahinsiechenden" Menschen nicht ertragen konnte und diese "erlösen wollte".

Die Staatsanwaltschaft und die Kriminalpolizeiinspektion Kempten wollen nun durch umfangreiche und zeitintensive Ermittlungen klären, ob der Beschuldigte für weitere Todesfälle im Krankenhaus Sonthofen verantwortlich ist. (apa)

30.7.2004 17:01