Freitag, 30. Juli 2004

Prekäre Lage im Sudan: Nach Einsetzen der Regenzeit drohen Cholera-Epidemien

  • US-Hilfsorganisation: Infrastruktur völlig zerstört
  • PLUS: Präsident Fischer besorgt über die Situation

Die humanitäre Situation in der sudanesischen Region Darfur ist weiterhin prekär. "Die Regenzeit hat begonnen und damit haben die UNO und andere internationale Hilfsorganisationen enorme Schwierigkeiten, lebenswichtige Güter übers Land zu den Hilfsbedürftigen zu bringen", schildert Homayoun Alizadeh die Lage. Der Österreicher ist Leiter des Büros des UNO-Hochkommissars für Menschenrechte im Sudan.

Nun steige auch die Gefahr von Krankheiten wie Cholera und Typhus. Das gesamte Ausmaß der humanitären Krise sei aber noch immer unklar. Nach wie vor habe die UNO "keinen umfassenden Zugang" zu den umkämpften Gegenden. Verschiedene Organisationen hatten in den vergangenen Tagen von über einer Million Vertriebenen und von 50.000 bis 80.000 Toten in Darfur berichtet. Alizadeh dazu: "Über die Zahl der Ermordeten gibt es keine genauen Angaben."

Hauptopfer des brutalen Konflikts sind die afrikanischen Stämme der Fur, Massalit und Zaghawa. Die arabischen Reiter-Milizen der Janjaweed haben in den vergangenen Monaten über 500 Dörfer angegriffen. "Alle lebenswichtigen Infrastruktureinrichtungen wie etwa die Wasserversorgungssysteme wurden total zerstört, tausende Häuser in Brand gesteckt", so Alizadeh.

Große Sorge bereitet dem UNO-Diplomaten die Situation der weiblichen Bevölkerung: "Die Zahl der Vergewaltigungen von Frauen und Mädchen ist sehr hoch. Heute noch werden Frauen und Mädchen, die die Flüchtlingslager zum Brennholz sammeln verlassen, von den Janjaweed überfallen und vergewaltigt."

Der Konflikt im Darfur hat laut Alizadeh mehrere Gründe: In der Region leben über hundert Stämme arabischer und afrikanischer Herkunft. Während die afrikanischen Stämme sesshaft sind und sich der Landwirtschaft widmen, ziehen die arabischen Stämme je nach Jahreszeit durch das Land. Der Zugang zu Wasser und fruchtbaren Böden sorge dabei immer wieder für Zwist unter den ethnischen Gruppen.

Früher wurden solche Streitigkeiten durch "traditionelle Konfliktaustragungsmechanismen" wie Stammeskonferenzen beigelegt. "Die Zentralregierung in Khartum hat jedoch die arabischen Nomaden mit modernen Waffen ausgerüstet, um deren Vorherrschaft im Darfur zu stärken. Die Regierung hat einen Riesen gebildet, und dieser Riese ist jetzt nicht mehr kontrollierbar."
(apa)

30.7.2004 12:36