Donnerstag, 29. Juli 2004

Wissenschaftswelt trauert: DNA-Entdecker Francis Crick ist 88-jährig verstorben!

  • Nobelpreisträger erlag einem Darmkrebsleiden
  • Gebürtiger Brite lebte im kalifornischen La Jolla

Der Wissenschafter Francis Crick, der zusammen mit James Watson die DNS-Struktur des genetischen Codes entdeckte, ist in Kalifornien gestorben. Dies teilte die Königliche Gesellschaft der Wissenschaften in London am Donnerstag mit. Der 88-jährige gebürtige Brite hatte die letzten Jahre seines Lebens im kalifornischen La Jolla verbracht.

Der Präsident des dortigen Salk-Instituts, Richard Murphy, erklärte, Crick sei bereits am Mittwoch gestorben. Er würdigte ihn als einen der großartigsten und einflussreichsten Wissenschafter aller Zeiten. Als solcher werde er unvergessen bleiben. Crick erlag in einem Krankenhaus in San Diego einem Darmkrebsleiden.

Multitalent mit Hang zu schönen Frauen
Am Tag, an dem Francis Crick mit seinem Kollegen James Watson die Erbgutstruktur entschlüsselt hatte, stürmte er angeblich in ein Pub und verkündete, "das Geheimnis des Lebens" entdeckt zu haben. So jedenfalls erinnert sich Watson.

Crick selbst schilderte es gerne etwas anders: Er sei nach Hause gegangen und habe seiner Frau Odile erzählt, er habe eine wichtige Entdeckung gemacht. Die habe ihm jedoch nicht geglaubt und sich später gerechtfertigt, "du kamst immer nach Hause und sagtest solche Dinge, also habe ich mir nichts dabei gedacht". Francis Harry Compton Crick starb am 28. Juli 88-jährig in Kalifornien an Darmkrebs.

Der am 8. Juni 1916 im englischen Northampton geborene Sohn eines Schuhfabrikanten war ein wissenschaftliches Multitalent: Er studierte zunächst in London Physik, wandte sich später der Biologie zu und erforschte zuletzt das menschliche Bewusstsein. Während des Zweiten Weltkrieges wurde er wissenschaftlicher Zivilbeamter, zeichnete Waffen und machte bedeutender Entdeckungen auf dem Gebiet des Radars. Erst nach dem Krieg wechselte Crick zur Biologie über. Er promovierte 1954, ein Jahr nach der Entdeckung der Erbgutstruktur, über eine Methode zur Strukturanalyse von Eiweißen. 1962 bekam er zusammen mit Watson und Maurice Hugh Frederick Wilkins den Medizinnobelpreis.

Nach eigener Schilderung verlor Crick bereits früh seinen religiösen Glauben: "Das Wissen, wie alt die Erde und die Fossilien wirklich sind, macht es jedem reifen Geist unmöglich, an die wörtliche Wahrheit der Bibel zu glauben, wie es die Fundamentalisten tun", schrieb er in seiner Autobiografie "What Mad Pursuit". "Und wenn einige Stellen der Bibel ganz offensichtlich falsch sind, warum sollte man dann die übrigen akzeptieren?" Seit 1977 befasste sich Crick am Salk Institute in den USA mit dem menschlichen Bewusstsein. Dabei pflegte er ein materialistisches, rein elektro-physikalisches Verständnis: "Freude und Trauer, Erinnerungen und Wünsche, Bewusstsein der eigenen Identität und freier Wille sind im Grunde nichts anderes als das Verhalten unzähliger Nervenzellen und der mit ihnen verbundenen Moleküle", schrieb er.

Der begnadete Redner hüllte sich bevorzugt in italiensche Edelanzüge und pflegte gerne Konversation. "Besonders mit hübschen Frauen", wie Crick von sich selbst sagte. (apa)

29.7.2004 18:12