Trauriger Jahrestag: Heute vor 90 Jahren brach der Erste Weltkrieg aus!
- Österreich-Ungarn erklärte Serbien am 28. Juli 1914 den Krieg. PLUS: Die Chronologie des Krieges!
·Der Erste Weltkrieg:
Wichtigste Daten!
Von Sarajewo (28-06-14)bis Versailles (10-09-19)
·I. Weltkrieg war
"industrieller Krieg"
Erster großer Einsatz von "anonymen Waffen"
Trauriger Jahrestag: Heute vor 90 Jahren, erklärte Österreich-Ungarn Serbien den Krieg. Der Startschuss für den Ersten Weltkrieg war gefallen. Dabei sah es zunächst nicht nach einem drohenden Weltenbrand aus im Sommer 1914. Zwar war der österreichisch-ungarische Thronfolger Erzherzog Franz Ferdinand am 28. Juni in Sarajewo ermordet worden, doch sonderlich beunruhigt schien niemand.
Der deutsche Generalstab fuhr in die Ferien, und Kaiser Wilhelm II. fragte nach dem Attentat nur: "Soll ich die Regatta abbrechen?" Doch einen Monat später begann der bis dahin blutigste Krieg der Menschheitsgeschichte. Nicht der Thronfolgermord löste den Krieg aus, sondern die Risikopolitik der Juli-Krise.
"Jeder hat auf seiner Ebene Schuld auf sich geladen", sagt der deutsche Historiker Helmut Grieser. Die Österreicher hätten einen regionalen Krieg gesucht, Berlin, Moskau und Paris einen kontinentalen, den Weltkrieg aber habe keiner gewollt: "Quasi ein Unfall der Geschichte." Auch andere Historiker kommen zu dem Schluss, dass niemand diesen totalen Krieg herbeigewünscht habe. Zitiert werden oft die Worte des späteren britischen Premiers David Lloyd George: "Die Nationen sind in den Krieg hineingeschlittert."
Gegen die traditionelle Lehre im Sinn der Einschätzung von Lloyd George wandte sich der 1999 verstorbene Hamburger Historiker Fritz Fischer, der mit seinem Buch "Griff nach der Weltmacht" den entscheidenden Anstoß zu einer Neudiskussion der deutschen Schuld am Kriegsausbruch gab. Die deutsche Regierung habe einen "erheblichen Anteil" an der Auslösung des Ersten Weltkriegs gehabt, indem sie mit großem Risiko gespielt und die Konfrontation mit England, Frankreich und Russland auf sich genommen habe.
Deutsche, Franzosen und Briten empfanden zu Beginn eine Art Kriegseuphorie. Die Soldaten zogen blumengeschmückt aus den Städten. Die Deutschen überfielen Luxemburg und das neutrale Belgien und hatten zunächst beträchtliche Erfolge. Hunderte Kilometer wälzten sich ihre Truppen nach Frankreich. Doch im September 1914 wurden sie durch das "Wunder an der Marne" gestoppt. Mit dem "Schlieffen-Plan" wollten die Deutschen Paris weiträumig umfassen. Dafür waren ihre Truppen allerdings von Anfang an zu schwach. Zu Gunsten der Ostfront wurden sie weiter ausgedünnt.
"Der Krieg war von Anfang an kaum gewinnbar", so Grieser. Berlin habe zu viel Kraft für die Flotte aufgebracht. Das Heer habe 40 Prozent der Rekruten nicht einsetzen können. Diese hätten an der Marne gefehlt. Zwar sehen die Deutschen schon die Silhouette des Eiffelturms, doch die Verteidiger halten stand. Zum ersten Mal in der Geschichte erleben Kämpfer beider Seiten die Schrecken des Stellungskrieges. Millionen Soldaten standen sich gegenüber, eingegraben, geplagt von Schlamm, Leichengeruch und Trommelfeuer. Millionen Granaten gingen auf die Gräben nieder. Viel mehr Männer starben im Stacheldraht, niedergemäht vom erstmals in großer Zahl eingesetzten Maschinengewehr, das den Krieg prägte. Bei den großen Offensiven starben Zehntausende innerhalb weniger Stunden. Den Frontverlauf änderten sie kaum.
Im letzten Kriegsjahr führte eine Offensive die Deutschen noch einmal bis vor Paris. Doch Briten und Amerikaner stärkten die Reihen und den Kampfgeist der Verteidiger. Während jeden Monat 300.000 gut ausgerüstete Männer über den Atlantik kamen, hatten die Deutschen jede Offensivfähigkeit verloren. Ihr Sieg im Osten kam zu spät. Beendet wurde der Krieg an der durch schreckliche Hungerwinter geschwächten "Heimatfront". Die Matrosen der deutschen Hochseeflotte erhoben sich, ein Funke im Pulverfass. Wie zuvor in St. Petersburg stürzten in Berlin und Wien die Monarchien. Das Osmanische Reich zerfiel. Die Friedensverträge von Versailles, Saint-Germain und Trianon beendeten zwar den "Großen Krieg", sie legten zugleich aber die Saat für den Zweiten Weltkrieg. (apa/red)
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