Freitag, 30. Juli 2004

Das Geld der Kirche: FORMAT zeigt, wie die Kirche mit ihren Milliarden wirtschaftet

  • Millionenverluste durch Austritte: Durch die Affäre Krenn drohen der Kirche enorme Einnahmenausfälle

Die Sex-Affäre in St. Pölten wird der Kirche auch finanziell weh tun. Bis Jahresende werden laut Hochrechnungen wohl rund 40.000 zahlende Kunden tatsächlich die Mitgliedschaft bei der Kirche aufkündigen – nicht zuletzt wegen Krenn. Bei einem durchschnittlichen Kirchenbeitrag von 75 Euro bedeutet das einen Jahresverlust von rund drei Millionen Euro fürs Budget 2005 – immerhin fast ein Prozent der gesamten veranschlagten Beitragseinnahmen. Dabei ist die Kirche alles andere als arm. Über die Jahrhunderte hat sie unermesslichen – und vor allem materiell unschätzbaren – Besitz angehäuft.

Neben den Kirchen und Kunstschätzen befinden sich über 200.000 Hektar Grund und Boden, Jagden, unzählige Zinshäuser, Brauereien, Tankstellen und sogar eine Bank im Anlagevermögen der österreichischen Kirche – aufgeteilt auf die neun Diözesen und die von der Amtskirche finanziell völlig autonom organisierten 140 Orden und deren 1.200 Klöster.

Das Problem dabei: Der Großteil der Besitztümer lässt sich nicht zu Geld machen. Ein ehernes Gesetz der Kirche schließt den Verkauf von Kunstschätzen von vornherein aus, die meisten Gebäude stehen unter Denkmalschutz. Und der Verkauf von Kirchen – der in den USA durchaus üblich ist – gilt in Österreich als undenkbar.

Jahresbudget von über 400 Millionen Euro
Immerhin: Allein die neun Diözesen kassieren aus Pacht, Miete, Wertpapiererträgen und Grundverkäufen zwischen 30 und 40 Millionen Euro pro Jahr. Etwa genauso viel überweist der Staat als Wiedergutmachung für während der NS-Zeit eingezogenes Kirchengut. Der Großteil der Einnahmen, rund 350 Millionen Euro, kommt aus den Kirchenbeiträgen. Das ergibt ein Jahresbudget für die Amtskirche von insgesamt 410 Millionen Euro. Damit machen die neun Diözesen zusammen etwas mehr Umsatz als der Kranhersteller Palfinger.

Gewinne fahren die Bischöfe in ihren Diözesen dennoch nicht ein, schließlich ist Kirche per Definition nicht gewinnorientiert – und die 5,8 Millionen Katholiken im Land müssen schließlich bei Laune gehalten werden.

250 Millionen Euro gehen für Personalkosten der 3.500 Priester und 3.600 Laien drauf, über 50 Millionen fließen in die Renovierung und Erhaltung der Gebäude und Kirchen. Gut hundert Millionen lassen die Diözesen für Sozialeinrichtungen, Kinder- und Jugendarbeit, Schulen, Verwaltung und die Priesterausbildung springen.

Krenns fehlende Millionen
Die Affäre Krenn könnte sich dramatisch auf das Budget der Diözese St. Pölten auswirken. Schon für 2004 rechnet Krenn laut Haushaltsplan mit einem Abgang von 1,1 Millionen Euro - aufgelöste Rücklagen in der Höhe von 5,3 Millionen Euro noch gar nicht mitgerechnet. Grund sind erhebliche Steigerungen bei den Ausgaben für Bauaufwand und Renovierungen sowie eine fällige Kredittilgung. Besonders dramatisch könnte angesichts der knappen Kassen das Jahr 2005 werden: Die durch den Skandal bedingten Kirchenaustritte werden freilich erst nächstes Jahr zu Buche schlagen - wer heuer austritt, muss nämlich zumindest bis zum Jahresende noch zahlen.

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30.7.2004 08:59