Absolut kein leichter Job: Das Politiker-Dasein ist besonders stressig!
- Waneck fühlt sich besser, seit er nicht mehr Politiker ist - Rasinger hält Bild für überzeichnet
Das Politiker-Dasein ist besonders stressig. Das besagt eine neue Studie, derzufolge sich der durchschnittliche Stresswert von Politikern auf einer Skala von null bis hundert bei 72,25 einpendelt. Ex-Gesundheitsstaatssekretär Reinhart Waneck (F) bestätigt diese Aussage indirekt: Seit er nicht mehr Politiker ist, fühle er sich gesundheitlich "wesentlich besser", so Waneck
Der Arzt Erwin Rasinger, Gesundheitssprecher der ÖVP, hält die Ergebnisse der Studie hingegen für "überzeichnet".
Die Studie stammt aus der Universität Wien, Projektleiter ist der Psychologe Andreas Olbrich-Baumann. Das Magazin "Format" berichtet in seiner neuesten Ausgabe ausführlich über diese Untersuchung. So leiden Politiker unter zahlreichen Symptomen wie Muskelverspannungen, Schlaflosigkeit, Magen-Darm-Beschwerden und Kopfweh. Jeder zweite heimische Abgeordnete hat fast täglich starke Schmerzen - im Rücken, im Kopf oder auch im Magen-Darm-Trakt. Immerhin jeder Fünfte schluckt täglich Medikamente.
Die Geschäftsführerin der Grünen, Michaele Sburny, hält - in der ZIB 2 - die Angaben der Studie für realistisch, auch die 60 bis 70-Stunden Wochen für Politiker - wegen der vielen Abend- und Wochenendveranstaltungen.
Rasinger sieht die Sache anders: Die Studienergebnisse deckten sich nicht mit seinem Bild der Parlamentarier. Der Durchschnitts-Politiker sei nicht kränker oder gesünder als "Otto Normalverbraucher", meinte er.
Das Forscherteam hat Fragebögen an alle Mandatare geschickt, in denen anonym nach Gesundheitssituation, Belastung und Stressmanagement gefragt wurde. Die ersten beiden Zwischenberichte liegen vor: Quer durch alle Fraktionen fühlen sich die Abgeordneten kränklich, äußerst belastet - und überfordert.
So geben über sechzig Prozent der befragten Abgeordneten an, massive Anzeichen des Burn-out-Syndroms zu verspüren, dazu kommen chronische körperliche Beschwerden, Muskelverspannungen und Magen-Darm-Probleme.
Durchschnittlich 64 Stunden, so die Studie, arbeiten die Nationalräte ihren eigenen Angaben zufolge Woche für Woche. Alles in allem ähnlich wie bei Topmanagern, nur mit deutlich niedrigerem Gehalt.
60,4 Prozent der befragten Parlamentarier gaben an, sich "ausgebrannt" zu fühlen. Untersuchungsleiter Olbrich im "Format": "Die Mitglieder von Regierungsparteien sind sogar stärker burn-out-gefährdet als Oppositionspolitiker." Dafür sei die Leistungsmotivation besser als bei der Opposition.
Trotz dieses Aufwands empfinden die meisten Politiker ihren Arbeitsplatz als ziemlich unsicher, so die Studie. Vor allem ÖVP-Politiker bangen um ihre Karrierechancen. 73,1 Prozent aller Abgeordneten sind überzeugt, auch nach der nächsten Wahl auf der Stelle zu treten. (apa)
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