Mittwoch, 28. Juli 2004

Ferrero geht nach Brüssel: Außen- ministerin hat Bestellung nicht erwartet

  • "Hatte nichts mit verlorener Präsidentenwahl zu tun"
  • "Es wird nicht leicht in Fischlers Fußstapfen zu treten"

Noch-Außenministerin und Neo-EU-Kommissarin Ferrero-Waldner weiß zwar noch nicht, welches Amt sie in Brüssel bekleiden wird, aber sie wird eine Kommissarin "aus Österreich, aber für Europa" sein, wie sie in einem Interview betonte. Die Ressortaufteilung sei Aufgabe des Kommissionspräsidenten, so Ferrero-Waldner. Mit der verlorenen Präsidentenwahl hätte ihre Nominierung aber nichts zu tun, so die Außenministerin.

Dass die Wahl für den österreichischen Kommissionsposten auf sie fallen würde, hätte sie nicht erwartet, so die Noch-Außenministerin. Tatsächlich habe sie sich mit ihrem Team schon auf die österreichische Ratspräsidentschaft 2006 vorbereitet. Ihre Nominierung würde auf "einen gemeinsamen Vorschlag von Kommissionspräsidenten José Manuel Durao Barroso und Bundeskanzler Wolfgang Schüssel" zurückgehen, sagte Ferrero-Waldner. Barroso hätte sie auf Grund ihrer Person sowie ihres Geschlechts für die Kommission gewollt.

Bei der Besetzung der Kommissionsposten erwartet Ferrero-Waldner von Barroso Rücksichtnahme auf ihre bisherige Erfahrung. Diese liege natürlich in der Außenpolitik, aber auch in der Entwicklungszusammenarbeit. Die Außenministerin wurde zuvor immer wieder mit dem Job des Kommissars für Entwicklungszusammenarbeit in Verbindung gebracht.

Ein Kommissar arbeite natürlich für Europa, unterstrich Ferrero-Waldner in Interviews für den "Standard" und auch für den "Kurier". In Brüssel wolle sie aber ihr "österreichisches Wissen einbringen, damit österreichische Argumente richtig gehört werden". Eine Kommunikatorin wolle sie sein, "in Europa für die europäischen Bürger." Sie werde "für Gesamteuropa Entscheidungen mittragen", sagte die Ministerin.

Mit der verlorenen Präsidentenwahl habe ihre Bestellung zur EU-Kommissarin "überhaupt nichts zu tun", betonte Ferrero-Waldner im "Standard". Sie sei auf Grund ihrer außenpolitischen Kompetenzen gefragt worden. Im "Kurier" meinte sie, angesprochen auf den jetzigen österreichischen EU-Kommissar Franz Fischler: "Er ist ein großer und ein gewichtiger Mann. Es wird nicht leicht sein, in seine Fußstapfen zu treten." Sie fügte hinzu: "Jeder hat einen eigenen Stil. Es kommt sehr auf die Inhalte an."

Wohnsitz bleibt Baden bei Wien
Wie der scheidende Kommissar Franz Fischler werde sie pendeln, Hauptwohnsitz werde weiter Baden bei Wien bleiben, so Ferrero-Waldner. Ihr Mann, Francisco Ferrero Campos, würde weiter in Wien arbeiten. (apa/red)

28.7.2004 20:06