Ethik-Unterricht bald Pflicht an den Schulen? Bildungsministerin Gehrer sagt "Ja"
- "Es ist gesetzlich zulässig einen verpflichtenden Ethikunterricht einzurichten". Schulversuch läuft an 119 Schulen
Die Zahl der Standorte mit dem Schulversuch Ethik- Unterricht ist rasant gestiegen. Im kommenden Schuljahr wird an 119 Standorten in acht Bundesländern Ethik unterrichtet. Nur in Niederösterreich gab es bisher keinen Ethik-Unterricht. Für Bildungsministerin Elisabeth Gehrer ist es zulässig, für Schüler, die keinen Religionsunterricht besuchen, einen verpflichtenden Ethikunterricht einzuführen.
Die meisten Schulversuchsstandorte mit Ethik-Unterricht gibt es im kommenden Jahr in Tirol (26), gefolgt von Oberösterreich (23, Salzburg (20) und Wien (17). Gehrer betonte in der Antwort auf die parlamentarische Anfrage des Grünen Bildungssprechers Dieter Brosz, dass sie im Bereich der Sekundarstufe II (9. bis 13. Schulstufe) alle eingelangten Schulversuchsanträge genehmigt habe. Aktuelle Zahlen über den Besuch des Ethik-Unterrichts gibt es keine, im Schuljahr 2000/01 waren es insgesamt 3.021 Schüler (1999/00: 1.826).
Ethik-Unterricht statt Freistunde
Die Frage Brozs', ob Schüler zu einem Ersatzunterricht gesetzlich verpflichtet werden können, wenn sie die Möglichkeit in Anspruch nehmen, sich vom Religionsunterricht abzumelden, beantwortete Gehrer folgendermaßen: "Das Grundrecht auf Religionsfreiheit bedeutet auch das Recht eines Menschen, keine religiöse Überzeugung zu haben. Dieses Grundrecht umfasst jedoch nicht das Recht auf eine 'Freistunde' an Stelle des Religionsunterrichts. Es ist zulässig, für Schülerinnen und Schüler, die keinen schulischen Religionsunterricht besuchen, weil sie entweder keiner gesetzlich anerkannten Kirche oder Religionsgemeinschaft angehören oder sich vom Religionsunterricht abgemeldet haben, einen verpflichtenden Ethikunterricht einzurichten."
Dass der Ethik-Unterricht nur in der Sekundarstufe II und nicht in der Volksschule und der Sekundarstufe I angeboten wird, begründet Gehrer primär mit dem wesentlich höheren Anteil von Schülern, die vom Religionsunterricht abgemeldet sind.(apa)
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