Montag, 19. Juli 2004

Explosive Ideen: Dynamit ebnet den Weg zum exklusiven Fünf-Sterne-Hotel

  • Ausgefallen: Die Badewanne im Wandschrank versteckt
  • Gekrönte Häupter zu Gast im Schloss Dürnstein

Der Weg zum eigenen Fünf-Sterne-Hotel ist oft beschwerlich und sehr teuer. Rosemarie und Johann Thiery setzen sogar regelmäßig Dynamit ein, um ihren Gästen im Hotel Schloss Dürnstein den erwarten Komfort bieten zu können... Manchmal sind eben auch unkonventionelle Lösungen nötig, dann wandert etwa das Badezimmer in den Wandschrank.

Im Jahr 1970 übernahm Johann Thiery das Haus von seinem Vater. Rund 20 Mieter - darunter auch der Wachau-Maler Emil Strecker - bewohnten den 1630 in Hanglage errichteten Renaissancebau, die wenigen Gästezimmer boten keinen Luxus. "Die Küche haben wir noch selber in Handarbeit gegraben", erinnert Rosemarie Thiery im APA-Gespräch. Diese Gewaltaktion war der Startschuss zu mehr als 30 Jahren Umbauarbeit.

Promis zu Gast
Zu den Hausgästen zählen u.a. gekrönte Häupter wie das spanische Königspaar und Prinz Edward von England. Neben vielen Staatschefs stiegen auch Maximilian Schell, Jose Carreras und Rudolf Nurejew ab. Während der Wintermonate bevölkern allerdings Jahr für Jahr Handwerker unter der Leitung der Hotelchefin das Haus.

Badezimmer im Wandschrank
"Erst vor drei Jahren ist der letzte Mieter ausgezogen", erzählte Rosemarie Thiery. Wurde ein Zimmer frei, wurde es sofort umgebaut. Der Lichthof erhielt eine Gewölbedecke und wurde zur Lobby. Arkaden in den oberen Stockwerken ließ die Chefin mit der Liebe zur Innenarchitektur abmauern, um Platz für Bäder zu schaffen. In einigen Räumen mussten die Installateure aber in die gut einen Meter dicken Mauern ausweichen - die Badezimmer wurden zum Teil in die Wände und zum Teil in Kästen verpflanzt.

Sprengen fürs Hallenbad
Spektakulär gestaltete sich der Bau von Frühstücksraum und Hallenbad im Untergeschoß: Meter für Meter wurden Steine aus dem Granitfelsen gesprengt. Das Hotel überstand diese Maßnahmen ohne größeren Schaden. Lediglich der Verputz zeigte einige Risse.

Selbstgenähte Vorhänge
Bei der Einrichtung legt Rosemarie Thiery dann selbst Hand an, Vorhänge werden im Winter selbst genäht. Thiery: "Nur so lässt sich ein Haus wie dieses nach den eigenen Wünschen adaptieren und ich entspanne mich dabei".

Möbel aus der Grafschaft
Wenig Entspannung gibt es bei der Jagd nach den passenden Möbelstücken aus den verschiedensten Epochen vom Barock über Biedermeier bis Empire. Die Hotelbesitzer sind Stammgäste bei Antiquitätenhäusern und in Auktionshäusern. Oft müssen die Fundstücke aber erst zum Restaurieren gebracht werden, wie etwa die Betten in der Fürstensuite. Gekauft aus dem Besitz einer Gräfin, entsprachen sie mit einer Länge von 185 Zentimetern nicht der gängigen Norm und mussten verlängert werden.

Ende nicht in Sicht
Ein Ende der Umbauarbeiten ist nicht in Sicht. Der Freskenmaler Rainer Maria Latzke, ein Stammgast, will etwa die Decke der Lobby gestalten. Im Hallenbad können seine Künste bereits bewundert werden. (apa)

19.7.2004 14:58