Mittwoch, 21. Juli 2004

70 Jahr, kein graues Haar

Udo Jürgens zeigt seinen Feriensitz in Portugal. Ein NEWS-Sommergespräch über die Erfahrung des Alterns, junge Kolleginnen, seine Biografie und seinen Schmerz über Kärnten.
Das Geheimnis seiner Jugend: Täglich zehn Stunden Schlaf, 30 Minuten schwimmen – und auch im Winter Sonnenschutz.

Würde er, wie einige seiner Zunft, verzweifelt am Geburtsdatum radieren – ihm würde man den Verjüngungsversuch wenigstens abnehmen. Denn wiewohl Udo Bockelmann am 30. September den 70er begeht, scheint diese nüchterne Tatsache sowohl an seinem wachen Geist als auch an seinem straffen Körper vorbeigegangen zu sein: Nur ein paar graue Haare, kaum Falten und schon gar kein Bauchansatz sind erkennbar, als Udo NEWS zu einem Besuch in der Villa empfängt (Ehefrau Corinna ist in Zürich geblieben, weil Udo eigentlich nur zum Arbeiten herkommen wollte). Hier, an der Algarve, ist er seit 15 Jahren nahe dem Ort Carvoeiro koresident. „Casa Atlantis“ heißt das Atlantik-Anwesen. 300 m2 Wohnfläche, 1.000 m2 Garten mit großzügig bemessenem Pool, hoch auf einem Felsen über schaurig schönen Höhlen. Die türkise Brandung bricht sich wild am 50 Meter hohen Fels. Möwen kreisen kreischend auf Haushöhe. Selbst bei
35 °C erfrischt noch kühler Wind die Gedanken: Jedes zweite seiner Lieder entstand hier (heuer verkauft er seine hundertmillionste CD!). Am Klavier mit Blick aufs Meer (Foto oben). In der Nachbarschaft: manchmal Königin Beatrix oder der Celtic-Glasgow-Präsident. Den großen Günter Grass traf Udo, als er im selben bescheidenen Fischlokal zu Tische saß. Die Zilks residieren 15 Minuten von hier. Früher traf man einander öfter. Was vor allem daran liegt, dass man hier Ruhe statt Remmidemmi sucht. Öfter als dreimal im Jahr kommt Udo nicht her. Die Finca stellt sich daher als Luxus dar: „Alles, was Spaß macht, rechnet sich nicht. Und was sich rechnet, macht keinen Spaß.“ Sein Resümee: „Urlaub mache ich meist woanders. Zuletzt mit Corinna auf der MS Berlin, wo ich auch aufgetreten bin. Von Lissabon nach Oslo.“

NEWS: Sie werden heuer 70 – schreckt Sie eigentlich die Zahl?
Jürgens: Natürlich. Ich kann nicht sagen, dass mich das ganz kalt lässt. Ich muss an Interviews älterer Herren denken, die zu diesem Anlass irgend so etwas sagen wie „Es ist eine Gnade, dieses Alter zu erreichen“. Das mag stimmen, aber Altwerden ist nicht sehr leicht: Man wird kurzatmiger, und manchmal tut was weh.
NEWS: Aber man wird doch auch gelassener und sicherer.
Jürgens: An der Gelassenheit und Ruhe arbeite ich noch.
NEWS: Sie schauen eigentlich 15 Jahre jünger aus. Färben Sie Ihre Haare?
Jürgens: Nein, das ist Veranlagung. Und wenn man genau schaut, gibt’s da vereinzelt schon ein graues.
NEWS: Würden Sie sich liften lassen?
Jürgens: Ich hab generell darüber nachgedacht: Hätte ich Tränensäcke, würde ich die schon wegmachen lassen. Oder Pigmentflecke. Das habe ich sogar bereits. Warum nicht? Aber nichts Großes!
NEWS: Können Sie sich noch an den Moment erinnern, an dem Sie zum ersten Mal bemerkt haben: Ich werde alt. Und wie war das?
Jürgens: Bei mir war das nicht wie bei manchen mit 30. Eigentlich hab ich zum ersten Mal mit Ende 50 bemerkt, dass ich nicht mehr 25 bin. Bis dahin fand ich das ganz normal, dass sich jüngere Frauen nach mir umdrehen. Heute erst empfinde ich das als Gnade (lacht). Fast ein Grund für Champagner!

Das komplette Interview lesen Sie im neuen NEWS

21.7.2004 17:05