Mittwoch, 21. Juli 2004

(T)Raumschiff Surprise - Mission: Ulk im All
Bully Herbigs Star-Trek-Parodie

  • Österreichische Kabarettisten bewerten ein deutsches Phänomen

Man könnte das Treue der speziellen Art zu den Idolen der eigenen Jugend nennen: Erst nahm Michael Herbig, 36, den alten Karl May von der Kehrseite. Vor drei Jahren identifizierte er die einschlägig verdächtigen Blutsbrüder Winnetou und Old Shatterhand als „Warmblüter“. Das Ergebnis war ohne Beispiel in der Geschichte des deutschen Lichtspiels. Jetzt ist man ins Intergalaktische ausgewuchert und nähert sich unsittlich der Klientel der „Star Trekkies“. Käpt’n Kork, Mr. Spuck und Schrotty brechen als temperierte Space-Desperados im Kino-Erzeugnis „(T)Raumschiff Surprise“ zum alles infrage stellenden Weltraumflug auf.

Hohe Erwartungen. Die Latte (ein Schelm, wer das Wort missdeutet), die es in Mopsgeschwindigkeit zu queren gilt, liegt hoch: Elf Millionen Deutsche und zwei Millionen Österreicher sahen „Der Schuh des Manitu“. Jetzt wünscht man mehr, auch wenn Herbig kokett einen Erfolg „zwischen den 1,2 Millionen Besuchern von ,Erkan & Stefan‘ (sein erster Film, Anm.) und dem ,Schuh‘“ anpeilt. Schon wird vorausgejubelt: „Ich finde den Film großartig, noch besser als den ,Schuh des Manitu‘“, tönt Stefan Raab, Herbigs Kollege an der Pointenschleuder. Aber der ist voreingenommen – er knackt gerade mit dem Soundtrack die Charts (s. NEWS 29/04).

Der erste Blick. Wir nötigten die Kabarettisten Ciro De Luca und Alfons Haider (siehe Kästen) in die Voraufführung. Insbesondere Haiders Diagnose war für uns interessant, denn so unkorrekt wie in den „Bully“-Erzeugnissen wurde mit den gleichgeschlechtlich empfindenden Mitbürgern lang nicht mehr umgesprungen.
Nähern wir uns mit lokalpatriotischem Grausen der „Käsesahnetorte“ (dem wesentlichen Treibstoff der Surprise-Besatzung) – und los in die intergalaktischen Weiten des Jahres 2304.

Unholde vom Mars. Von Sternenkriegen ist zunächst weltraumweit keine Spur, weshalb man sich an Bord mit der Wahl der Miss Waikiki die Zeit vertreibt. Da zerstört ein Fax die Idylle: Die Erde wird von Marsianern bedroht!

Käpt’n Kork, Mr. Spuck und Schrotty heuern ein Spacetaxi und schweben gleich auf rosaroten Schäfchenwölkchen, weil ihnen Lohnfuhrwerker Rock gefällig ins Auge sticht. Auf der Erde angekommen, werden sie von Königin Metapha in die Zeitmaschine gestopft. Die soll sie 300 Jahre zurück in die Wüste von Nevada versetzen, wo einst ein gestrandetes Ufo die Besiedelung des Mars ermöglichte. Dieser Vorfall soll ungeschehen gemacht werden. Leider aber geraten die Helden samt Königin und Taxler ins finstere Mittelalter. Herzog William der Letzte hat für die sündhaften Herren den Scheiterhaufen und für sich die fesche Königin vorgesehen. Gegenaktion tut Not.

Spürbares Augenmerk hat Akteur, Regisseur und Produzent Herbig auf konkurrenzfähige Spezialeffekte gelegt. Sein (T)Raumschiff sollte Vorbildern von „Star Trek“ bis „Krieg der Sterne“ nicht nachstehen. Neun Millionen Euro stellte er auf. Ein Sternenstaub neben Hollywood-Krachern wie „The Day After Tomorrow“, bei dem Roland Emmerich 105 Millionen ins Kunsteis setzen durfte.

Die ganze Story lesen Sie im neuen NEWS
PLUS: PRO: Comedian Ciro De Luca lobt den „Bully“-Film
PLUS: KONTRA: Alfons Haider sieht beleidigende Klischees
PLUS: Michael „Bully“ Herbig und Christian Tramitz über Erfolgsdruck und Vulcanetten

21.7.2004 16:59