Mittwoch, 21. Juli 2004

Kurt Krenn in der Sex-Falle - Wie es im Kriminalfall Kinderpornos weitergeht

  • Warum der Papst den St. Pöltner Bischof entmachtet:
  • Protokoll der geheimen Kommandoaktion im Vatikan

Wie es im Kriminalfall Kinderpornos weitergeht. Und welche heißen Spuren die Exekutive im Seminar noch fand.
NEWS-Umfrage: Jeder zehnte Österreicher will aus der Kirche austreten. 74 Prozent für Abschaffung des Sex-Verbots für Priester.

Der Leidensweg des Kurt Krenn ist seit Dienstag dieser Woche zu Ende. Papst Johannes Paul II. hat ihm einen Visitator vor die Nase gesetzt und ihn dadurch unwiderruflich in seiner bischöflichen Autorität beschädigt.

Fast zwei Jahrzehnte lang stand der konservative Theologe und Philosoph aus Oberösterreich in allerhöchster Gunst. Ihm standen die Türen des Vatikans offen, mehrere Male dinierte er am Tisch Seiner Heiligkeit. Ohne Rücksicht auf Verluste ist Kurt Krenn die steile Leiter der kirchlichen Karriere hinaufgeklettert. Hochschulprofessor, Weihbischof, Diözesanchef.

Kurt Krenn hat die eigene Macht über-, die anderen Mächtigen unterschätzt. Derselbe Papst, der ihn zum „Nachfolger der Apostel“ ernannt hat, ließ ihn nun ganz tief fallen. Ab sofort ist Krenn (Kirchen-)Geschichte.

Schon vor seinem Urlaub im Aostatal wurde der greise Papst von einflussreichen Kurienkardinälen auf einen akut ausufernden Konflikt in der sattsam aktenkundigen Diözese St. Pölten aufmerksam gemacht: Exzellenz Krenn lasse in einem Priesterseminar die Zügel schleifen – er verniedliche Kinderpornografie und Homosexualität. Erzbischof Stanislaw Dziwisz, von Anfang an der Privatsekretär des Papstes und seit Jahren ein guter Freund Kurt Krenns, steuerte – wie immer, wenn es um St. Pölten geht – dagegen: Die Sache werde von Medien und missgünstigen Neidern ungerechtfertigterweise aufgebauscht. Der behauptete Skandal sei in Wirklichkeit gar keiner. Indessen hatte Exzellenz Dziwisz, der im Lemberger Kardinal und Krenn-Freund Marian Jaworski einen eifrigen Mitargumentierer fand, die Rechnung ohne die Öffentlichkeit gemacht: Der Vorkommnisse im Priesterseminar St. Pölten und Krenns Verharmlosungsversuche („Bubendummheiten“) nahmen sich nach und nach die internationalen Medien an. Bis auf die Philippinen, über die USA, ja sogar in Kinshasa wurde über einen „Sexskandal“ ungeheuren Ausmaßes berichtet. Besonders viel Platz widmeten die italienischen Gazetten dem Thema: Homoorgien und Kinderpornos im Priesterseminar – das ist der Stoff, aus dem Schlagzeilen gemacht werden. Zu Kurt Krenns Pech überschlugen sich die internationalen Medien mit St.-Pölten-Enthüllungen: Am Montag wurden dem Papst mehrere Ordner voll mit Zeitungsartikeln übergeben, die dem vatikanischen „Krenn-Dossier“ beigefügt wurden.

Ohne diesen medialen Druck wäre Krenn noch lange Ordinarius von St. Pölten geblieben.

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PLUS: Kriminalfall Kinderpornos
PLUS: ,Psychische Zeitbomben‘
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21.7.2004 16:36