Freitag, 23. Juli 2004

Die Privilegien der Banker im FORMAT- Vergleich: Wer am besten aussteigt

  • Sonderstellung der Mitarbeiter von BA-CA & Sparkassen
  • Volksbanken-Angestellte verdienen am wenigsten

Nicht nur Mitarbeiter der BA-CA genießen Privilegien, wie es sie in der normalen Arbeitswelt nicht mehr gibt - auch andere Institute halten mit. Die aktuelle Ausgabe von FORMAT vergleicht Kollektivverträge der vier großen Geldsektoren - Sparkassen, Raiffeisen-, Volks- und Aktienbanken - und dokumentiert die privilegierte Sonderstellung der BA-CA-Mitarbeiter, aber auch jene des Sparkassensektors.

Tatsächlich schneiden die rund 27.000 Sparkassen-Mitarbeiter beim KV-Vergleich am besten ab. Kein Sektor garantiert seinen Mitarbeitern einen Kündigungsschutz, zahlt höhere Gagen und verschenkt finanzielle Zuckerln wie etwa Kostenbeihilfen bei Geburt (181,68 Euro), Heirat und Todesfall (jeweils 145,35).

Bei der größten Sparkasse des Landes, der BA-CA, wird das Sparkassen-Niveau sogar übertroffen: Das erste Baby bringt dort 849,72 Euro, ein Trauschein einmalig 744,78 Euro. Der Grund für diesen enormen Unterschied: Für alle in der BA-CA angestellten Mitarbeiter gilt die 255-seitige BA-CA-Betriebsvereinbarung aus dem Jahr 1969 (BV69). Die Regeln des 75-seitigen Sparkassen-Kollektivvertrags spielen kaum eine Rolle. Die BV69, ein Spezial-Kollektivvertrag zwischen Vorstand und Betriebsrat, sichert BA-CA-Angestellten zahlreiche Sonderrechte. Zusätzlich zum Grundgehalt, das zwischen 1.307,42 und 6.229,96 Euro liegt, fließen 14-mal im Jahr Zuschüsse, wie etwa Haushalts- (83,14 bis 124,13 Euro) oder Kinderzulagen (141,62).

Die BV69 der BA-CA übertrifft aber auch jede Betriebsvereinbarung der Konkurrenz: Bei der Gewerkschaftsbank Bawag wird etwa zusätzlich zum Grundgehalt - laut Schema zwischen 1.155,36 und 3.367,33 Euro - eine Familienzulage von 27,62 Euro für verheiratete Mitarbeiter bzw. 47,96 Euro für ledige oder geschiedene Banker bezahlt - um 60 Prozent weniger als bei der BA-CA.

Auch die 21.000 Raiffeisen- und 5.700 Volksbanker können vom BA-CA-Paradies nur träumen. Lehrlinge in beiden genossenschaftlich organisierten Geldhäusern verdienen bereits um 65 bis 140 Euro weniger als die Azubis der Konkurrenz.

Kleiner Trost für die Genossenschaftsbanker: Im Gegensatz zu den Sparkassen wo nur 8,5 Prozent aller Beschäftigten in den beiden obersten Gehaltsgruppen geführt werden, ist der Anteil an Besserverdienern bei Volks- und Raiffeisenbanken mit 25 bzw. 33 Prozent deutlich höher.

Keil in der Belegschaft
Trotz dieser schiefen Einkommensverteilung verdient ein durchschnittlicher BA-CA-Angestellter 59.000 Euro pro Jahr - und ist damit absoluter Spitzenreiter. Zum Vergleich: Sparkassen zahlen 47.000 Euro, deutlich darunter liegen Raiffeisen (41.000), Banken (40.000) und Volksbanken (38.000). Fuhrmann akzeptiert diese Zahlen nicht: "Da wird alles Mögliche hineingerechnet wie etwa die Bezüge von Sonder- und Einzelvertragsinhabern. Von solchen Durchschnittsgehältern kann ein Großteil der Mannschaft nur träumen. Es wird versucht, die BA-CA-Belegschaft noch weiter zu verunsichern."

Die BA-CA-Führung lassen Fuhrmanns Vorwürfe kalt. BA-CA-Chef Erich Hampel, trocken: "Ich will aus der verstaubten BV69 ein modernes, leistungsorientiertes Dienstrecht machen. Nicht mehr, nicht weniger."

Alle Details finden Sie im neuen FORMAT!

23.7.2004 11:36