Donnerstag, 22. Juli 2004

Vom ORF an die TV-Spitze Europas: Gerhard Zeilers Weg nach oben

  • Als RTL-Group-Chef war er Herr über 23 TV-Stationen
  • Beim ORF: Kurator, Generalsekretär & Generalintendant

Der scheidende Chef der RTL Group, Gerhard Zeiler, hat auch die österreichische Fernsehlandschaft deutlich geprägt. Als Generalintendant des ORF setzte er 1995 eine nachhaltige ORF-Programmreform um, die in der Folge auch viele Kritiker auf den Plan rief, viele der damals geschaffenen Sendungen gehören auch heute noch zum Kernangebot des ORF. 1998 wechselte Zeiler zu RTL, das sich unter seiner Ägide als quotenstärkster deutscher Sender behaupten konnte. An der Spitze der RTL Group stand der 47-Jährige zahlreichen Radio- und TV-Sendern in Europa vor.

Der am 20. Juli 1955 geborene Wiener ist ein ausgewiesener Medienprofi. ORF-Kurator, ORF-Generalsekretär und schließlich - von 1994 bis 1998 - ORF-Generalintendant war er in Österreich. Zuvor kannte er die Medien eher von der "anderen Seite", war er doch 1979 bis 1983 Pressesprecher des damaligen Unterrichtsministers Fred Sinowatz (S) und - von 1983 bis 1986 - des damaligen Finanzministers Franz Vranitzky (S).

1991 kam der Ruf aus Deutschland
Die Karriere in der Heimat wurde indes für Engagements am deutschen Markt unterbrochen: 1991 und 1992 war er Geschäftsführer beim Münchner Privatsender Tele 5, von 1992 bis 1994 übernahm er die Führung des damals neu gegründeten RTL II, das 1993 auf Sendung ging. Sein dortiger Vertrag lief 1994 aus, im selben Jahr übernahm er die Register der größten Medienorgel Österreichs und wurde Generalintendant.

Als ORF-General machte sich Zeiler daran, das ORF-Programm gründlich umzukrempeln. "Irgendwie macht es mir Spaß, heilige Kühe zu schlachten; das wird sich auch im Programm fortsetzen", sagte er 1994 im Vorfeld des neuen Programmschemas. Zeiler war der erste ORF-Chef, der für das österreichische öffentlich-rechtliche Fernsehen dezidiert auf das Begriffspaar "Massenattraktivität und Programm" setzte.

Zeiler als "Quotenjäger" kritisiert
Von Kritikern musste sich der "Zeiler-Kurs" denn auch häufig "Quotenjagd" vorwerfen lassen. Doch von den insgesamt 17 neuen Programmformaten, die damals eingeführt wurden, sind viele noch heute zu sehen: etwa "Willkommen Österreich", "Vera" oder "help-TV". Später folgten aber auch Formate wie die "Zeit im Bild 3". Der Spartenkanal TW1 ist ebenfalls ein Produkt der Ära Zeiler. Obwohl es Zeiler nicht als seine Aufgabe bezeichnete, "Medienpolitik zu machen", setzte er sich vehement für eine ORF-Aktiengesellschaft ein.

"Wahrscheinlich passe ich besser in die Privatwirtschaft", sagte Zeiler dann 1998: Da hatte ihn bereits der Ruf nach Köln zu RTL ereilt, seine vierjährige Funktionsperiode als ORF-GI lief aus. Eine zweite Amtszeit hätte ihn grundsätzlich gereizt, gab er damals zu verstehen. Politisch sah er sich aber vor allem von Teilen der ÖVP unerwünscht. "Ich bin viel sensibler, meine Freunde sagen: viel wehleidiger, als alle glauben. Ich möchte nur dort arbeiten, wo ich das Gefühl habe, ich werde wirklich gewollt", so Zeiler damals. Ein aufmerksamer Beobachter der österreichischen Medienlandschaft ist Zeiler aber weiterhin geblieben. Und hält mit seiner Meinung nicht hinter dem Berg: Privat-TV etwa in der Alpenrepublik ist für ihn schlicht ein "tollkühnes" Unterfangen.

Steile Karriere in bei RTl Group
Offensichtlich gewollt war der Medienlegionär, der als 1998 bei RTL übrigens in die Fußstapfen von Helmut Thoma, einem weiteren Österreicher im deutschen Medienbusiness, trat, beim größten europäischen TV-Konzern. Sein Aufstieg innerhalb der RTL Group erfolgte stetig: Bereits ab dem Jahr 2000 war er Mitglied im Führungsgremium der RTL Group, dem Operations Management Committee (OMC). Seit September 2002 ist er auch Mitglied im Vorstand der Bertelsmann Stiftung. Als neuer CEO leitet er dort die Geschicke von 23 TV- und 22 Radiostationen in acht Ländern. (apa/red)

22.7.2004 16:29