Mittwoch, 21. Juli 2004

Der deutsche Sparstift bedroht Manager:
Spitzengagen sollen gedeckelt werden!

  • Ex-Daimler-Benz-Chef: Top-Gehälter sind "unmoralisch"
  • Justizministerin Zypries schließt Eingriffe nicht aus

Hohe Wellen schlagen die aktuellen Diskussionen um eine Maximalgrenze für Spitzengehälter derzeit in Deutschland: Der stellvertretende SPD-Vorsitzende Ludwig Stiegler hatte gefordert, dass Managergehälter nicht mehr an den Aktienkurs gekoppelt sein sollten. Schützenhilfe hatte er dabei vom ehemaligen Daimler-Benz-Chef Eduard Reuter bekommen. Jetzt meldete sich auch Justizmiinisterin Zypries zu Wort: Staatliche Eingriffe seien "vorstellbar".

Die Millionengehälter in manchen deutschen Vorstandsetagen "sind nicht nur unmoralisch, sondern sind ethisch überhaupt nicht begründbar", betonte Reuter, der 1995 an der Spitze des Daimler-Benz-Konzerns von Jürgen Schrempp abgelöst worden war. Es sei "eine Dummheit", sich "einfach der menschlichen Gier hinzugeben und zu scheffeln und zu scheffeln", wie es in den vergangenen Jahren zwar keineswegs in allen, aber doch in manchen Fällen geschehen sei. Mit Blick auf den Versuch des DaimlerChrysler-Vorstands, den Konflikt um das Sparprogramm des Konzerns durch ein Angebot auf Gehaltsverzicht zu entschärfen, fügte Reuter hinzu: "Das kann man natürlich auch nicht reparieren, indem man jetzt bei solchen Auseinandersetzungen, wie sie jetzt stattfinden, irgendwelche, fürs Schaufenster gemachte kleine Nachgiebigkeiten zeigt."

Der stellvertretende SPD-Vorsitzende Ludwig Stiegler hatte gefordert, das Gehalt von Managern sollte nicht mehr an die Entwicklung des Aktienkurses gekoppelt werden, sondern etwa an die Zahl der Ausbildungsplätze oder den Umsatz.

>Gesetzliche Eingriffe
In der hochsommerlichen Diskussion über die Höhe von deutschen Managergehältern schließt die deutsche Bundesjustizministerin Brigitte Zypries nun gesetzliche Eingriffe nicht aus. An staatlich festgesetzte Höchstlöhne für Manager sei aber nicht gedacht.

Eine Ministeriumssprecherin sagte heute, abschließende Überlegungen zu dem Thema gebe es nicht. Es sei aber so, "dass man möglicherweise darüber nachdenken kann, dass man bestimmte Gehaltsentwicklungen an bestimmte Indikatoren knüpft". Zypries habe schon vor einigen Wochen nicht ausgeschlossen, dass der Gesetzgeber zum Handeln gezwungen sein könnte, wenn die Selbstregulierungskräfte der Wirtschaft nicht wie gewünscht wirkten. Die Hoffnung des Ministeriums sei, dass man durch eine stärkere Transparenz bei den Managergehältern dazu kommt, dass es einer Deckelung nicht bedürfe.

Bisher vertraue Zypries darauf, dass über den Corporate Governance-Kodex auf der Basis von Freiwilligkeit mehr Transparenz bei den Managergehältern erzielt wird, sagte die Sprecherin. Allerdings habe die Ministerin bereits klar gemacht, dass sie mit den bisherigen Fortschritten bei der Umsetzung des Kodex nicht zufrieden sei und die weitere Entwicklung nur noch über eine begrenzte Zeit - etwa über die Frist von einem Jahr - anschauen werde. Danach stelle sich die Frage, ob der Gesetzgeber tätig werden sollte.

Schnapsidee
Als "Schnapsidee" hat BDI-Präsident Michael Rogowski Überlegungen von Ministerin Zypries bezeichnet, die Höhe von Managergehältern per Gesetz zu regulieren. Er lehne staatliche Eingriffe in den Markt generell ab, sagte der Chef des Bundesverbandes der Deutschen Industrie am Mittwoch in Berlin. Die Unternehmen müssten selbst entscheiden, was sie ihren Spitzenkräften zahlen wollten. "Wir brauchen Freiheit und Wettbewerb."
(apa/red)

21.7.2004 16:35