Kommt Yukos-Ende: Kernproduktion des Ölkonzerns soll verkauft werden!
- Justiz: Yuganskneftegaz-Verkauf wird eingeleitet
- Ölkonzern Yukos hat 6,5 Mrd. Euro Steuerschulden
Der zu Steuernachzahlungen in Milliardenhöhe verurteilte Ölkonzern Yukos steht vor dem Zwangsverkauf seines wichtigsten Förderbetriebs und damit vor der Zerschlagung. Die von der Justiz beschlagnahmten Anteile am Tochterunternehmen Juganskneftegas könnten zwischen dem 26. und 30. Juli zur Tilgung der Steuerschuld veräußert werden, teilte ein Yukos-Sprecher am Dienstag mit.
Die Verkaufssumme solle nach Justizangaben bei 1,75 Mrd. Dollar (1,4 Mrd. Euro) liegen. Nach Schätzungen von Analysten ist der Förderbetrieb aber das Zehnfache wert.
Der Zwangsverkauf von Juganskneftegas käme einer Zerschlagung des Yukos-Konzerns gleich, sagte Waleri Nesterow von der Investmentgesellschaft Troika Dialog. Juganskneftegas in Nordsibirien ist das Herzstück des größten russischen Ölexporteurs Yukos. Auf das Unternehmen entfallen 60 Prozent der Fördermenge und 70 Prozent der Yukos-Reserven. Die erste Silbe im Namen Yukos stammt von Yuganskneftegas (englische Schreibweise).
In der Moskauer Finanzwelt gelten die staatlich kontrollierten Unternehmen Gazprom und Rosneft sowie der Yukos-Konkurrent Surgutneftegas als potenzielle Käufer. Bisher ist noch keiner der bei Yukos beschlagnahmten Vermögenswerte verkauft oder versteigert worden.
Aus Yukos-Sicht würde ein Zwangsverkauf zum derzeitigen Zeitpunkt gegen geltendes Recht verstoßen, da die Förderbetriebe für den Fortbestand des Unternehmens unabdingbar seien. Die Justizbehörden gaben am Dienstag in Moskau bekannt, dass Gerichtsvollzieher bisher 5,2 Mrd. Rubel (144 Mio. Euro) an Barmitteln von dem vor der Pleite stehenden Unternehmen eingetrieben hätten. An der Moskauer Börse verloren die Yukos-Aktien bis zum frühen Abend (Ortszeit) mehr als 17 Prozent ihres Wertes.
Der Yukos-Konzern ist rechtskräftig zur Nachzahlung von Steuern für das Jahr 2000 in Höhe von umgerechnet 2,8 Mrd. Euro verurteilt. Bis zum Monatsende will Yukos nach eigenen Angaben ein Drittel der Summe in bar zahlen. Das Unternehmen sieht sich derzeit nicht in der Lage, die gesamten Nachforderungen zu begleichen. Im laufenden Vollstreckungsverfahren wurden in den vergangenen Wochen Geschäftskonten gesperrt und Beteiligungen an Tochterunternehmen wie Juganskneftegas sowie weiteren Förderbetrieben eingefroren. (apa/red)

