Montag, 19. Juli 2004

Postbus AG warnt vor Teilverkauf: Für 2005 droht sogar ein Minus von 15,4 Mio. Euro

  • Vorstand betont, dass durch die Privatisierung kein nachhaltiger Schaden entsteht

Durch die Teilprivatisierung sollte das Unternehmen eigentlich saniert werden. Jetzt belegt eine Studie, dass die geplanten Verkäufe den Gewinn von Postbus und Bahnbus im schlimmsten Fall um rund 18 Mio. Euro schmälern könnten.

Heuer sollen Postbus und Bahnbus demnach einen Betriebsgewinn (EBIT) von 1,7 Mio. Euro erzielen. Ohne Teilverkauf wären es 2005 knapp 3 Mio. Euro. Durch die geplante Abgabe eines Drittels der Linien droht nun aber ein Minus von bis zu 15,4 Mio. Euro. Im besten Fall - wenn die privaten Käufer mit den Buslinien auch das dazugehörige Personal samt den entsprechenden Kosten übernehmen sollten - würden Postbus und Bahnbus im nächsten Jahr eine schwarze Null schreiben, so die offiziellen Zahlen.

Der Vorstand hatte bisher stets betont, dass durch die Teilprivatisierung kein nachhaltiger Schaden für das Unternehmen entstehe. Postbus-Vorstandssprecherin Barbara Tichy argumentierte am Montag, die Gewinnabgänge seien "kein wirtschaftlicher Verlust für das Unternehmen, sondern eine Verringerung des Geschäftsvolumens". Der Postbus verliere durch Abgabe 40 Mio. Euro Umsatz, das bedeute für das EBIT eine Reduktion um 2,6 Mio. Euro.

Personalkosten könnten schwer ins Gewicht fallen
Schwerer ins Gewicht fallen würde der Teilverkauf, wenn Postbus und Bahnbus auf den Personalkosten sitzen bleiben würden. Immerhin sollen im Rahmen der Teilprivatisierung 447 Mitarbeiter den Arbeitgeber wechseln. Gelingt dies nicht, würde der Postbus/Bahnbus mit zusätzlichen Personalkosten von 15,7 Mio. Euro belastet, so die Unternehmenszahlen. "Erste Signale seitens der Privaten" seien aber "durchaus positiv zu werten" gewesen, betont Tichy.

Kündigungsschutz für Postbus-Beamte
Allerdings müssten die Privaten nicht nur die Personalkosten für die Postbus-Beamten übernehmen, sondern als neuer Arbeitgeber auch Verpflichtungen eingehen. Vizekanzler und Verkehrsminister Hubert Gorbach (F) hatte in der Vorwoche angekündigt, dass die Postbus-Beamten, die zu den Privaten wechseln, einen Kündigungs- und Versetzungsschutz erhalten sollen.

Private Interessenten zeigen sich gesprächsbereit
Beim Wiener Busunternehmen Blaguss - einer von 132 Interessenten für den Teilverkauf - kann man sich "schwer vorstellen", dass man den Postbus-Mitarbeitern einen Versetzungsschutz zugestehen soll. Man müsse aber "das Umfeld abklären", sagte Blaguss-Prokurist Günter Schweinberger am Montag zur APA. Wenn die Rahmenbedingungen, sprich der Kaufpreis stimme, sei man "grundsätzlich" gesprächsbereit. Bisher seien den Privaten die Modelle noch nicht vorgelegt worden, so Schweinberger.

Bisher waren als Kaufpreis für des gesamte Privatisierungsdrittel rund 40 Mio. Euro im Gespräch gewesen. Gorbach hatte vergangene Woche angekündigt, dass die ÖBB Abschläge beim Kaufpreis in Kauf nehmen würden. Das hätte dann aber wieder einen negativen Einfluss auf die Postbus/Bahnbus-Bilanz. Denn laut Unternehmensangaben sollen die Verkaufserlöse zum Ausgleich der Geschäftseinbußen im Unternehmen verbleiben.
(apa/red)

19.7.2004 13:22