Sonntag, 25. Juli 2004

Olympia-Sicherheitssystem mit riesigen Lücken: Überwachung nicht gewährleistet

  • Letzte Test laut offiziellen Angaben "gut gelaufen"
  • System wird während Spiele nicht vollständig arbeiten

Trotz gravierender Mängel ist zwei Wochen vor Start der Olympischen Spiele das Überwachungssystem "C41" komplett in Betrieb gegangen. "Das System funktioniert einwandfrei", sagte ein Sprecher des Ministeriums im Fernsehen. "C4I" hat rund 250 Millionen Euro gekostet. Über 1.500 Kameras, ein vollständig unabhängiges Kommunikationssystem sowie zahlreiche elektronische Kontrollsysteme kommen zum Einsatz.

Beim letzten umfangreichen Test wenige Tage zuvor, bei dem das olympische Verkehrssystems unter dem Code-Namen "Olympischer Hermes" unter die Lupe genommen wurde, wurden zahlreiche Mängel festgestellt. Entlang der zwei wichtigsten Verkehrsadern, der Kifissias Avenue vor den Anlagen des Olympiakomplexes (OAKA) und der Küstenstraße, wurden Zwischenfälle wie Unfälle und auch Angriffe simuliert.

Der rund zweieinhalb Stunden dauernde Test wurde am frühen Morgen durchgeführt, damit die Athener nicht bei ihren Fahrten zu den Stränden der Olympiastadt gestört werden. Ein mit Kameras ausgerüstetes Luftschiff lieferte Bilder in die Überwachungszentrale der Polizei. Nach Angaben des griechischen Fernsehens ist der Test "gut gelaufen".

Probleme mit Überwachungssystem
Probleme gibt es offenbar mit dem elektronischen Überwachungssystem "C4I". Nach Meldungen der griechischen Presse wird es während der Olympischen Spiele nicht vollständig funktionieren. Der amerikanischen Sicherheitsfirma SAIC sei es bislang nicht gelungen, das gesamte Überwachungssystem zu installieren und die Übertragung der Bilder in die Sicherheitszentrale zu gewährleisten.

Athens Big Brother is watching you
Am Freitag hatten rund 2.500 Demonstranten in Athen und Thessaloniki gegen die scharfen Sicherheitsmaßnahmen demonstriert, die ihrer Ansicht nach ihre Rechte verletzen. In Athen sind mehr als 1.500 Kameras installiert, die nahezu alle Bewegungen der Bürger überwachen. Die Athener machen sich bereits lustig über diese Maßnahmen. Das Überwachungsluftschiff nennen sie "Schwebender Spitzel".

Drohungen über angebliche Bomben an Bord von Schiffen und anderen Verkehrsmitteln führen immer wieder zu Verspätungen, vor allem im Fährverkehr. Wie die Küstenwache am Sonntag bekannt gab, ist die griechische Fähre "Romilda" mit 445 Passagieren an Bord am späten Samstagabend mit einer dreistündigen Verspätung aus Piräus zu den Ägäisinseln ausgelaufen. Ein Unbekannter hatte zuvor behauptet, eine Bombe sei an Bord der Fähre. Alle Passagiere mussten das Schioff verlassen, das von Spürhunden der Polizei durchsucht wurde.

Bombendrohungen an der Tagesordnung
Es war der dritte Zwischenfall in den vergangenen sieben Tagen in Piräus. Nach Angaben des Sprechers des griechischen Ministeriums für Öffentliche Ordnung, Lefteris Oikonomou, gehen täglich mindestens vier Bombendrohungen bei der Polizei ein. "Wir haben Experten, die die Anrufe bewerten. Sie entscheiden, was ernst und was nicht ernst genommen werden muss", sagte Oikonomou.

(apa/red)

25.7.2004 10:46