Konkurrenz rätselt: Stellt Lance Armstrong nach dem Tour-Sieg das Rad nun ins Eck?
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Fährt er, oder fährt er nicht. Schon bevor Armstrong seinen 6. Tour-Sieg fix in der Tasche hat, rätselt die Konkurrenz, ob der große "Tourminator" nächstes Jahr wieder kommt. "Das Einzige, was zum jetzigen Zeitpunkt feststeht ist, dass er 2005 Mitglied in unserem Team sein wird. Ein Rennprogramm haben wir noch nicht", drückte sich sein Team-Chef Johan Bruyneel nach dem Triumph in L'Alpe d'Huez noch vorsichtig aus. Der Star selbst kritisiert das Bergzeitfahren: "Keine gute Idee, ich hatte Angst."
Jens Voigt ist jedenfalls fest überzeugt davon, dass Armstrong nach dem Tour-Finale am Sonntag in Paris nie mehr aufs Fahrrad steigt, obwohl ein Dreijahresvertrag mit dem US-Postal-Nachfolger Discovery Channel mit einem Wert von rund elf Millionen Dollar pro Saison unter Dach und Fach ist. "Ich bin sicher, dass Lance aufhört. Er wird sich sagen: Ich habe genug gelitten", vermutet der deutsche Profi vom Konkurrenz-Unternehmen CSC.
Ullrich-Betreuer Rudy Pevenage glaubt an die Fortsetzung der Armstrong-Karriere. Damit müsste sich sein Schützling auch keine Gedanken über einen Minderwert eines etwaigen zukünftigen Toursieges machen. Der deutsche Olympiasieger hatte mehrmals erklärt, ein Tourerfolg ohne Armstrong als Konkurrenten hätte für ihn weniger Bedeutung. Ullrich hat Armstrong bereits in L'Alpe d'Huez zum sechsten Toursieg in Folge gratuliert, und damit die vierte Niederlage gegen die "Siegmaschine" aus Austin akzeptiert. "Ich hätte nicht gedacht, dass es möglich ist, in der Tour-Geschichte sechs Mal zu gewinnen. Lance ist wirklich unschlagbar", so Ulrich.
In Frankreich ist Armstrong nicht "everybodys darling"
Zum Tourauftakt hatte der in Scheidung lebende Armstrong seinen Olympia-Verzicht bekannt gegeben: "Ich steige nach der Tour sofort ins Flugzeug und fliege nach Hause zu meinen Kindern." Gut möglich, dass es ein Abschied für immer wird. Denn Frankreich ist abgesehen von der Tour nicht das Land seiner Träume. Das Publikum liebt ihn und seine Art nicht.
Auf der Straße seines Triumphzuges nach L'Alpe d'Huez mit rund einer halben Million Zuschauer standen Schmäh-Schriften ("Lance EPO"), er wurde bedrängt und beschimpft. "Diesen Sieg wollte ich unter allen Umständen. Aber es war keine gute Idee, hier ein Zeitfahren auszutragen. Dafür war es zu gefährlich. Ich hatte Angst", sagte der Mann im Gelben Trikot. In jedem US-Postal-Hotel würde laut Armstrong ein Reporter-Team eines französischen Senders auf Doping-Recherche nach dem genauen Inhalt der Abfalleimer aus den Fahrer-Zimmern fragen.
Armstrong bleibt zurückhaltend
Am Donnerstag feierte die französische Presse den 32-Jährigen, der vor dem Start des Zeitfahrens zwei Mal seine Räder tauschen musste, weil sie das zulässige Gewicht von 6,8 kg unterschritten, trotzdem. "K.O.-Sieger Armstrong", titelte das Tour-Zentralorgan "L'Equipe" und beförderte den Seriensieger zum "Herrscher der Welt", weil er bei dieser Tour keine Konkurrenten mehr hat.
Armstrong selbst bleibt noch zurückhaltend, wenn er auf den sechsten Rekordsieg angesprochen wird. "Ich versuche nicht daran zu denken. Ich konzentriere mich auf die Etappe, dass ich sie ohne Probleme beenden kann. Ich werde erst auf der letzten Runde auf dem Champs Elysees an den sechsten Sieg denken", erklärte Armstrong.
(apa/red)
