Dienstag, 20. Juli 2004

Deutsche Bundesligisten kalkulieren mit 581 Mio. €: Schulden gefährden Existenzen

  • Letztes Jahr lagen Investitionen noch bei 596,2 Millionen
  • Bayern mit 60 Millionen Euro vor Hertha BSC (54,7)

Die 18 Vereine der deutschen Fußball-Bundesliga kalkulieren in der 42. Erstliga-Saison mit Ausgaben von insgesamt 581,7 Millionen Euro. Vor einem Jahr war es noch ein Wert von 596,2 Millionen Euro. Die Erhebungen der Deutschen Presse Agentur basieren auf Vereinsangaben und geben als größte Posten die Gehälter wieder.

Branchenführer bleibt der FC Bayern München mit 60 Millionen Euro vor Hertha BSC (54,7) und Meister Werder Bremen (45). Borussia Dortmund, der einzige börsennotierte Klub, verordnete sich angesichts einer bedrohlichen Finanzkrise einen rigorosen Sparkurs und speckte allein bei den Personalkosten von 57 Mio. auf unter 40 Mio. Euro ab. Der 1. FC Kaiserslautern von Trainer Kurt Jara kalkuliert nach einer zwischenzeitlichen Beinahe-Zahlungsunfähigkeit nur noch mit Ausgaben für den Lizenzspieler-Bereich von 16,5 Millionen Euro.

Obwohl der Gesamt-Etat leicht gesunken ist, sehen drei Viertel der Bundesliga-Manager durch Verschuldung "existenzgefährdende Probleme" auf den deutschen Profi-Fußball zukommen. Zu wenig Eigenkapital und eine gesunkene Kreditwürdigkeit bei den Banken zwingen die 18 Top-Klubs zur Einführung oder Fortsetzung von Spar-Programmen.

Gesamtschulden bei 700 Millionen Euro
Trotz Kostenreduktion kommen Experten der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young AG ebenfalls auf wenig Erfreuliches: In einer Studie aller 36 Profivereine nennen sie den Gesamt-Schuldenstand von 700 Millionen Euro (Stand: 2003). Neue Finanzierungsmöglichkeiten sind gefragt. Der FC Schalke 04 nahm 2003 eine festverzinsliche Anleihe von 75 Millionen Euro auf. Der FC Bayern München verkaufte zehn Prozent der Vereinsanteile an den Sportartikelhersteller Adidas. Absteiger 1. FC Köln finanziert seinen Zweitliga-Kader als erster deutscher Verein zum Teil mit so genannten Genuss-Scheinen. Es soll ein Gesamtwert von 10 Millionen Euro platziert werden.

"Die großen Vereine können die kommenden Jahre angesichts leicht steigender Einnahmen und sinkender Ausgaben unter Beibehaltung der sportlichen Konkurrenzfähigkeit zur Gesundung nutzen", sagte Ernst & Young-Manager Arnd Hovemann. Doch die Schere zwischen Arm und Reich geht auseinander: "Für die kleinen und finanzschwachen Klubs wird es immer enger."

Etats in der Fußball-Bundesliga:
Bayern München60 Mio Euro'03/04: 60
Hertha BSC54,749,2
Werder Bremen4532
Borussia Mönchengladbach4235
Borussia Dortmund3950
Schalke 043640
VfB Stuttgart32,539
Hannover 963225
VfL Wolfsburg28 bis 3045
Bayer Leverkusen25 bis 28rund 30
VfL Bochum2624
Hansa Rostock2624,5
Hamburger SV2523
SC Freiburg2524
FC Nürnberg258,4/2. Liga
Arminia Bielefeld2211/2. Liga
FSV Mainz 05225,8/2. Liga
FC Kaiserslautern16,523


(apa/red)

20.7.2004 16:25