Freitag, 23. Juli 2004

Wieder Geiselnahme im Irak: Ägyptischer Diplomat in Bagdad verschleppt!

  • Erstmals ausländischer Diplomat entführt
  • Entführer von sieben Ausländern verlängern Frist

Erstmals seit Beginn der Welle von Geiselnahmen Anfang April im Irak ist ein ausländischer Diplomat verschleppt worden. Der katarische Fernsehsender Al Jazeera strahlte am Freitagabend ein Videoband aus, auf dem ein hochrangiger Mitarbeiter der ägyptischen Botschaft in Bagdad sitzend vor einer Gruppe schwarz gekleideter und maskierter Männer zu sehen ist.

Die Gruppe bezeichnete sich selbst als "die Löwen Allahs". Die Entführung sei eine Antwort für das Angebot Kairos, den Irak in Fragen der Sicherheit zu beraten. Gleichzeitig verlängerten die Entführer von sieben weiteren Ausländern ihr Ultimatum um 48 Stunden.

Ein Botschaftsvertreter in Beirut bestätigte, dass es sich bei dem entführten Diplomaten tatsächlich wie angegeben um Mohammed Mamduh Hilmi Kotb handelt. In der Hierarchie der ägyptischen Vertretung steht er laut Al Jazeera an dritter Stelle. In der Videobotschaft gab er an, von seinen Entführern "gut behandelt" zu werden. Gleichzeitig versichert er, dass die ägyptische Botschaft nicht mit den US-Truppen im Irak zusammenarbeitet. Ihre Aufgabe sei es vielmehr, den "Irakern beim Wiederaufbau ihres Landes zu helfen".

Die Geiselnehmer der sieben anderen Ausländer - drei Inder, drei Kenianer und einen Ägypter - hatten am Mittwoch mit ihrem Tod gedroht, sollte ihr kuwaitischer Arbeitgeber nicht seine Arbeit im Irak einstellen. Die Gruppe namens "Schwarze Flagge" wollte nach eigenen Angaben alle 72 Stunden eine Geisel hinrichten, bis ihre Forderung erfüllt wurde.

Nach Angaben von Al Jazeera fordern die Geiselnehmer nunmehr auch Entschädigungen für die Opfer der Aufstände von Falluja sowie die Freilassung der irakischen Gefangenen aus kuwaitischer und US-Haft. Bei den Entführten handelt es sich um Lastwagenfahrer, die für das kuwaitische Fuhrunternehmen Kuwait and Gulf Link Transport arbeiten. Das Vertreter der Firma kündigte für Samstag eine "Antwort" auf die Forderungen der Geiselnehmer an. (apa/red)

23.7.2004 20:44