Verheerendes Zug-Unglück in der Türkei: Unter den 36 Toten auch ein Österreicher!
- Schnellzug entgleist: Streit um Verantwortung
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Unter den 36 Todesopfern des schweren Zugunglücks in der Türkei ist auch ein Österreicher! Es handelt sich um den 37-jährigen Manfred B. Seine türkische Ehefrau Günay kam ebenfalls ums Leben. Das Paar lebte zuletzt in Deutschland und befand sich auf Urlaubsreise in der Türkei. 81 Personen wurden bei dem Unglück verletzt.
In der Türkei ist nun ein Streit um Ursache und Verantwortung für die Tragödie ausgebrochen. Ein Ingenieur, der anonym bleiben wollte, sagte am Freitag: "Die Gleise waren zu alt und konnten der hohen Geschwindigkeit des Zuges nicht standhalten." Die türkische Presse machte die Behörden für den Unfall verantwortlich und schrieb von "Mord" und vom "Massaker Express". Der Zugführer und zwei Fahrer wurden für Verhöre vorläufig festgenommen. Der Chef der Eisenbahnbehörde, Suleyman Karaman, betonte derweil, der Zug sei zum Unfallzeitpunkt nicht gerast. Vize-Ministerpräsident Mehmet Ali Sahin kündigte eine Untersuchung zur Unfallursache an und drohte im Fall von Fahrlässigkeit mit Konsequenzen.
Der neue Schnellzug mit fünf Waggons war am Donnerstag in der Provinz Sakarya auf der Strecke zwischen Istanbul und Ankara unterwegs, als die Waggons in der Nähe der Stadt Pamukova entgleisten, umstürzten und sich zum Teil ineinander verkeilten. Zuerst hatten die Behörden von fast 140 Todesopfern unter den mehr als 230 Passagieren gesprochen. Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan korrigierte diese Angaben indes in der Nacht auf Freitag.
Am Unglücksort sagte der Passagier Hande Cakiroglu, er habe ein "Blutbad" gesehen: "Als ich nach dem Unfall aus dem Fenster schaute, habe ich Fleischfetzen und Blut gesehen. Zuerst habe ich das nicht verstanden, doch dann habe ich erkannt, dass es Passagiere waren, die aus den Waggons geschleudert worden waren." Ein anderer Passagier, Orcun Acabey, sagte, der Zug habe zuvor in den Kurven mehrfach gewackelt. Auf dem Weg ins Zugrestaurant habe er Angst gehabt, sich nicht auf den Beinen halten zu können. Hatice Er sagte, überall seien Staub und Rauch gewesen: "Es war wie ein Erdbeben."
Den Behörden zufolge durfte der Zug auf dem Streckenabschnitt, auf dem sich das Unglück ereignete, nur 70 bis 80 Stundenkilometer fahren. Der Anwalt der beiden verhafteten Fahrer sagte dagegen, seinem Mandanten seien 130 Stundenkilometer als Tempolimit angegeben worden. Dem Ingenieur zufolge, der nicht genannt werden wollte, fuhr der Schnellzug etwa 140 Stundenkilometer.
Der Zug, der Istanbul und Ankara in fünf Stunden verbindet, kann bis zu 150 km/h fahren. Ministerpräsident Erdogan hatte die neue Strecke erst Anfang Juni feierlich eingeweiht - obwohl Experten gewarnt hatten, die alten Gleise aus den 50er Jahren seien nicht für solche Geschwindigkeiten gemacht. "Die türkischen Gleise sind seit 50 Jahren verwahrlost", sagte Haluk Gercek von der Technischen Universität Istanbul in einem TV-Interview.
Der 34-jährige Yasar Yildiz, der im Krankenhaus nach Überlebenden einer befreundeten Familie suchte, sagte mit Blick auf die Regierung: "Sie haben den Zug eingeweiht, ohne über die notwendige Infrastruktur nachzudenken, und wir zählen jetzt die Toten."
(apa/red)
