Donnerstag, 22. Juli 2004

Harte Kritik der 9/11-Kommission: Schwere Versäumnisse der US-Behörden festgestellt

  • Regierungen Bush und Clinton fehlte es an Strategien
  • PLUS: BILDER - Trotz Alarm durften Entführer fliegen!

Die Untersuchungskommission zum 11. September 2001 hat den US-Regierungen Bush und Clinton schwere Versäumnisse im Vorfeld der Terroranschläge vorgeworfen. Keine der zwischen 1998 und 2001 getroffenen Maßnahmen habe das Terrornetzwerk El Kaida an der Verwirklichung seiner Anschlagspläne gehindert, hieß es in dem am Donnerstag veröffentlichten Abschlussbericht.

In der gesamten Regierung habe es an "Vorstellungsvermögen, Strategien, Kompetenzen und Management" gefehlt, so der Bericht. Die Kommission forderte die Einrichtung eines "nationalen Zentrums zur Terrorismusbekämpfung" unter einem nationalen Geheimdienst-Direktor. US-Präsident Bush lobte die "hervorragende Arbeit" der Kommission und deren "sehr wichtige Empfehlungen".

"Der 11. September war ein Schock. Aber er hätte nicht überraschend kommen dürfen", hieß es in dem 567 Seiten starken Dokument. Der zehnköpfige, paritätisch besetzte Ausschuss erhob keine direkten Anschuldigungen gegen die im Januar 2001 angetretene Regierung Bush oder die seines demokratischen Vorgängers Clinton. "Wir denken nicht, dass den Regierungsmitgliedern das Ausmaß der Bedrohung klar war."

Die USA hätten versucht, das "Problem El Kaida" mit den Kapazitäten aus den letzten Jahres des Kalten Krieges zu lösen. Diese seien jedoch unzureichend gewesen. Nach den Erkenntnissen der Kommission sei das Pentagon "zu keinem Zeitpunkt vollständig in einer Mission gegen El Kaida engagiert" gewesen - "obwohl El Kaida vielleicht der gefährlichste ausländische Feind der USA war, der die USA bedrohte".

Neben dem Posten eines "nationalen Geheimdienst-Direktors" mit Kabinettsrang schlug die Kommission unter anderem ein gemeinsames Datensystem vor, das die "traditionellen Schranken innerhalb der Regierung überwindet", sowie eine verstärkte Überwachung des Anti- Terror-Kampfes durch den US-Kongress. Auch sollten die Kapazitäten der Bundespolizei FBI und der Heimatverteidigung verbessert werden. (apa)

22.7.2004 18:26