Mittwoch, 21. Juli 2004

Concorde-Tragödie: Titan-Austauschteil auf der Startbahn löste Unglück aus

  • Katastrophe mit 113 Todesopfern endlich aufgeklärt
  • Lamelle stammt von einem zuvor gestarteten Flugzeug

Die Concorde-Katastrophe bei Paris vor vier Jahren wurde durch ein von einem zuvor gestarteten Flugzeug verlorenes, offenbar unzulässiges Ersatzteil ausgelöst. Wie die zuständige Staatsanwaltschaft der Pariser Vorstadt Pontoise mitteilte, brachte der auf der Startbahn des Flughafens Roissy-Charles de Gaulle verlorene Streifen aus Titan einen Concorde-Reifen zum Platzen und löste damit den tragischen Unfall mit 113 Toten aus.

Damit stützten die Ermittler die These einer verheerenden Kettenreaktion vor dem Absturz am 25. Juli 2000. Die Untersuchungen sollen im Herbst abgeschlossen werden; dann sind auch Anklagen möglich.

Das offenbar unzulässige Titan-Teil von einer amerikanischen DC-10-Maschine habe zunächst einen Reifen der Concorde zerschnitten, sagte Linienpilot Jerome Boursican, dessen Gewerkschaft Alter an dem Verfahren um den Absturz als Nebenklägerin teilnimmt. Die entstandene Schockwelle habe den Treibstofftank zum Bersten gebracht und schließlich den Brand der Maschine ausgelöst.

Die Unfallforschungsbehörde Bureau Enquete-accident (BEA) vertritt seit Juli 2001 diese These: Demnach fuhr die Concorde mit hoher Geschwindigkeit über den Metallstreifen, den eine DC-10 der US-Fluggesellschaft Continental Airlines kurz zuvor verloren hatte. Nach dem Reifenplatzer trafen Bruchstücke den Concorde-Tank und lösten die Explosion des Kerosins aus. Die vor allem mit deutschen Urlaubern besetzte Maschine stürzte kurz nach dem Abheben bei Gonesse brennend in ein Hotel.

Angaben der französischen Ermittler zufolge war die Original-Lamelle der DC-10 im texanischen Houston durch ein Titan-Stück ausgetauscht worden. Das weichere und weniger scharfe Originalteil dagegen "schneidet Reifen nicht", sagte einer der Experten der AFP. In den Wartungsbüchern der Maschine sei Titan als Material nicht vorgesehen. Untersuchungsrichter Christophe Regnard will nun auch durch Expertisen in den USA klären, wieso das gefährliche Metallstück überhaupt zum Einsatz kommen konnte.

Zwischenzeitlich hatten die Ermittler in Pontoise eine alternative These geprüft: Demnach hätte auch ein fehlendes Teil im Fahrwerk des Überschalljets die Katastrophe auslösen können. Diese "zweite Spur" hätte auf einen schwer wiegenden Fehler bei den Wartungsarbeiten der Fluggesellschaft Air France hingedeutet und sich damit deutlich von der offiziellen Variante unterschieden. (apa/red)

21.7.2004 09:31