Mittwoch, 21. Juli 2004

Krise im Westjordanland: Arafat-Kritiker Nabil Amr wird angeschossen!

  • Amr mahnte Arafat zum Durchgreifen gegen Korruption
  • Trotz Streit: Regierungschef Korei bleibt vorerst im Amt

Ein Kritiker von Palästinenserführer Arafat ist am späten Dienstagabend in Ramallah im Westjordanland von Unbekannten angeschossen worden. Wie der britische Sender BBC unter Berufung auf die Familie des früheren palästinensischen Informationsminister berichtete, wurde Nabil Amrs Bein von zwei Schüssen getroffen.

Amr hatte Arafat mehrfach zum Durchgreifen gegen Korruption in der Autonomiebehörde aufgerufen und demokratische Reformen angemahnt. Es habe sich zunächst niemand zu dem Anschlag auf den 47-Jährigen bekannt. Bereits vor einem Jahr hatte es einen Anschlag gegen das Haus von Amr gegeben, nachdem er den Führungsstil Arafats kritisiert hatte.

Der palästinensische Regierungschef Korei bleibt trotz des ungelösten Streits um Reformen und die Kontrolle über die Sicherheitskräfte vorerst im Amt. Ein Krisentreffen mit Arafat habe keine Lösung des politischen Konflikts gebracht, Korei werde aber als Chef einer Übergangsregierung auf seinem Posten bleiben, sagten Minister nach dem Treffen am Dienstag in Ramallah. Korei hatte aus Protest gegen die Sicherheitslage im Gazastreifen und wegen des Stillstandes bei den Reformen am Samstag seinen Rücktritt erklärt. Arafat weigerte sich auch am Dienstag, diesen anzuerkennen.(apa)

Wegen der unsicheren Lage im Gazastreifen zieht das UNO-Hilfswerk für palästinensische Flüchtlinge (UNRWA) 20 seiner Mitarbeiter aus dem Gazastreifen ab. Diese Helfer seien derzeit besonderen Gefahren ausgesetzt, weil sie wegen ihrer Aufgaben häufig ein- und ausreisen müssten, sagte UNRWA-Sprecher Paul McCann in Gaza. Seit dem Wochenende hatte es im Gazastreifen mehrere gewaltsame Demonstrationen gegen Korruption in der palästinensischen Führung gegeben.

21.7.2004 07:48