Dienstag, 20. Juli 2004

Schweres Grubenunglück in der Ukraine: Feuer und Rauch behindern Sucharbeiten!

  • Mindestens 25 Bergleute ums Leben gekommen
  • Ukrainische Regierung will Bergleute entschädigen

Nach der tödlichen Explosion in der ukrainischen Kohlegrube Krasnolimanskaja behinderten Feuer und starker Rauch unter Tage die Rettungsarbeiten. Einsatzkräfte suchten am Dienstag in 550 Metern Tiefe nach elf noch vermissten Bergleuten. Bei der Grubengas-Explosion waren am Montagabend mindestens 25 Bergleute ums Leben gekommen.

Auf dem Gelände des Bergwerks in der Stadt Rodinskoje, etwa 500 Kilometer östlich von Kiew, versammelten sich hunderte Angehörige der Kumpel. Dutzende Ambulanzfahrzeuge warteten auf einen Einsatz. Die ukrainische Regierung kündigte an, den Familien der getöteten oder vermissten Bergleute insgesamt 2,5 Millionen Griwna (umgerechnet 410.000 Euro) zu zahlen.

Zum Zeitpunkt der Detonation hatten sich nach neuesten, korrigierten Angaben 48 Arbeiter unter Tage aufgehalten. Vorher war von 46 Männern die Rede gewesen. Zwölf Bergleuten gelang es, aus eigener Kraft an die Erdoberfläche zu kommen.

Ursache des Unglücks war eine Methangasexplosion in 970 Metern Tiefe. "Steine und Schutt erschweren unsere Arbeit unglaublich", sagte ein Vertreter der Rettungskräfte. "Es herrscht ein totales Chaos dort unten." Mehr als 50 Teams suchten nach Toten und Verletzten.

Ministerpräsident Viktor Janukowitsch und sein Stellvertreter Andrej Klujew eilten zur Krasnolimanskaja-Mine, die zwar besonders profitabel ist, zugleich aber als eines der unsichersten Bergwerke in der Ukraine gilt. Schon in der Vergangenheit ist dort häufig Methangas ausgetreten. Bei einer Explosion vor drei Jahren kamen neun Bergleute ums Leben.

In der Ukraine kommt es immer wieder zu Unfällen in Bergwerken. Ursache sind in den meisten Fälle mangelnde Sicherheitsmaßnahmen und überalterte Technik. Allein im vergangenen Jahr wurden 267 Bergleute getötet, wie aus einer Statistik des staatlichen Arbeitsschutzkomitees hervorgeht. Seit 1991 wurden mehr als 3.700 Todesopfer registriert.

Die Explosion vom Montagabend war das schwerste Grubenunglück in der Ukraine seit zwei Jahren. Im Juli 2002 kamen 33 Arbeiter bei einem Brand ums Leben, im Jahr zuvor wurden 55 Kumpel bei einer Gasexplosion getötet. Die Bergwerke in der ehemaligen Sowjetrepublik zählen zu den unsichersten weltweit. Nach Angaben des Energieministeriums sind mehr als 75 Prozent der rund 200 ukrainischen Kohlegruben als gefährlich einzustufen. (apa/red)

20.7.2004 07:13