"Juden sollen Frankreich verlassen": Frankreich entrüstet über Sharon-Aussage!
- Chirac: 'Sind infolge ihrer Äußerungen nicht willkommen'
- Sharon warnte vor steigendem Antisemitismus
·Sharon: "Ziehen Sie
schnell nach Israel"
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Israel nennt Spruch von Gerichtshof Propaganda
Entrüstung hat in Paris die Aufforderung des israelischen Regierungschefs Ariel Sharon an französische Juden ausgelöst, wegen des Antisemitismus in Frankreich ehebaldigst nach Israel auszuwandern. Das französische Außenministerium nannte die Äußerungen Sharons vom Sonntag "inakzeptabel" und hat sich sofort an die Regierung Israels gewandt und um eine Klarstellung gebeten. Frankreichs Präsident Jacques Chirac erklärte Sharon für "nicht willkommen".
"Nach mehreren Wochen der Kontakte bezüglich eines solchen Besuchs zeigt sich, dass er unmöglich ist, und Sie sind infolge Ihrer Äußerungen nicht willkommen", hieß es demnach in dem Schreiben an Sharon weiter. Ein Sprecher des israelischen Außenministeriums sagte, er wolle "vertrauliche Botschaften" nicht kommentieren.
Verteidigungsministerin Michèle Alliot-Marie sagte am Montag, Frankreich habe die strikteste Gesetzgebung gegen Rassismus und Antisemitismus und sei auch das Land, das am deutlichsten antisemitische Gewalttaten verurteile.
Ein Sprecher des Großrabbiners von Frankreich, Joseph Sitruk, wies die Aussagen Sharons schroff zurück. Der Auswanderungsappell sei unbegründet und gegenstandslos. Das Exekutivbüro des jüdischen Zentralrates CRIF warf Sharon am Montag vor, "in nicht hinzunehmender Weise Öl ins Feuer zu gießen".
Sharon-Aufruf an die Juden in Frankreich
"Kommt so rasch wie möglich nach Israel" legte Sharon den französischen Juden nach israelischen Presseberichten am Sonntag nahe. In einer Rede vor Vertretern amerikanischer Juden habe er auf eine steigende "antisemitische Flut" in Frankreich hingewiesen, dabei jedoch auch erwähnt, dass die Pariser Regierung gegen rassistisch begründete Gewalt vorgehe. Nach französischen Presseberichten riet Sharon den Juden Frankreichs sogar, das Land "sofort" zu verlassen.
Die konservative Pariser Tageszeitung "Le Figaro" sprach von einem Affront. Sharon wolle den Pariser Einfluss neutralisieren, "weil Frankreich als das pro-palästinensischste EU-Land angesehen wird." "Sharons Angriff ist in zweifacher Hinsicht unwürdig: Weil Frankreich nicht antisemitisch ist. Weil er weiß, dass Frankreich nicht antisemitisch ist. Juden wurden angegriffen oder beleidigt. Aber es gibt in unserem Land weder eine Politik noch Ressentiments gegen die jüdische Gemeinschaft. Ganz im Gegenteil - diese Gemeinschaft, eine der größten weltweit, beweist schon allein durch die Anzahl ihrer Mitglieder, wie sehr sie in der französischen Nation verankert ist. (...) In Wahrheit will Sharon ein Frankreich, das weiterhin Arafat verteidigt, seiner Legitimität berauben."
Der Präsident der Internationalen Liga gegen Rassismus und Antisemitismus (LICRA), Patrick Gaubert, sagte im französischen Fernsehen zu Sharons Äußerungen, der israelische Regierungschef hätte besser geschwiegen. (apa)
