Montag, 19. Juli 2004

Explosion in Beirut: Laut TV-Sender Al Jazeera wurde ein Hisbolla-Funktionär getötet

  • Eine sunnitische Fundamentalistengruppe bekennt sich zu dem Attentat

Bei der Explosion einer Autobombe ist am Montag in Beirut ein ranghoher Funktionär der pro-iranischen libanesischen Schiiten-Partei Hisbollah (Partei Gottes) getötet worden. Das berichtete der arabische Nachrichtensender Al Jazeera. Die Bombe detonierte in einem südlichen Vorort der Hauptstadt Beirut. Genaueres war zunächst nicht bekannt.

Die Autobombe sei explodiert, als der Hisbollah-Funktionär Ghaleb Awali gerade sein Haus in Süd-Beirut verlassen habe, teilte ein Parteisprecher am Montagmorgen mit. Eine sunnitische Fundamentalistengruppe bekannte sich in einer Erklärung zu dem Attentat.

Die schiitisch-fundamentalistische Hisbollah wurde 1982 nach dem israelischen Einmarsch im Libanon auf Betreiben des iranischen Revolutionsregimes gegründet. Die Organisation, an deren Spitze Scheich Hassan Nasrallah steht, verfügt über annähernd 7000 Kämpfer, kann aber notfalls weit mehr mobilisieren. Nach dem israelischen Militärrückzug aus dem Südlibanon im Mai 2000 war sie in die von der israelischen Armee und deren Hilfsmiliz SLA geräumten Ortschaften vorgerückt.

Für die verarmte schiitische Bevölkerung hat die Hisbollah ein Netz von Sozial- und Bildungseinrichtungen geschaffen und damit den Einfluss der pro-syrischen Schiitenbewegung "Amal" von Nabih Berri zurückgedrängt, der sie vorwirft, das traditionelle konfessionelle Proporzsystem des Libanon akzeptiert zu haben. Nachdem es Ende der achtziger Jahre zu schweren innerschiitischen Kämpfen gekommen war, erzwangen Syrien und der Iran einen prekären Burgfrieden zwischen den Milizen von Hisbollah und Amal.

Die auf der US-Liste von Terrororganisationen stehende "Partei Gottes" hat an demokratischen Wahlen im Libanon nach dem Bürgerkrieg teilgenommen und ist durch Abgeordnete im Beiruter Parlament vertreten. (apa)

19.7.2004 09:20