Sonntag, 25. Juli 2004

Kinder-Porno-Affäre in St. Pölten: Krenn hält Sex-Skandal für überzogen!

  • Bischof erhebt Vorwürfe: "Es gibt die Möglichkeit, dass an Fotos herumgepfuscht wurde"

Wenige Tage nach dem Beginn der apostolischen Visitation der Erzdiözese St. Pölten meldet sich der dortige Bischof Kurt Krenn wieder zu Wort. In einem Interview meint Krenn zur Kinderporno-Affäre im Priesterseminar, an der Angelegenheit sei "überhaupt nichts dran". Ob er 2005 noch Bischof von St. Pölten sein werde? Krenn: "Wenn der liebe Gott es will, ja selbstverständlich. ... Ich könnte in der Zwischenzeit hinaufgefallen sein. Oder hinunter. Vielleicht lebe ich gar nicht mehr. Es ist ja alles möglich."

Im Interview mit dem "Neuen Volksblatt" sagt Krenn, es werde so getan, "als wäre das eine Riesengeschichte, die zu bewältigen ist. Das ist es nicht. Es ist ein Student gefunden worden, der was gemacht hat." Vorwürfe, er habe die Kinderporno-Affäre vertuscht, wies er zurück. Er habe bereits im November den Sicherheitsdirektor informiert.

Wurde an Fotos herumgepfuscht?
Zu Fotos, die den zurückgetretenen Leiter des Seminars Ulrich Küchl und den ehemaligen Subregens Wolfgang Rothe mit Seminaristen in homoerotisch wirkenden Posen zeigen, sagte Krenn, es gebe "auch die Möglichkeit, dass an den Fotos herumgepfuscht wurde." Allerdings dürfe es solche Motive im Falle der Echtheit der Fotos in einem Priesterseminar nicht geben.

Keine Entschuldigung an Bischofskollegen
Seine Aussage, die St. Pöltener Affäre gehe seine Bischofskollegen "einen Dreck an", will Krenn auch im "Neuen Volksblatt" nicht zurück nehmen. Dies sei nicht beleidigend. "Ich nehme das nicht zurück. Wie oft kommt in der Kultur das Götz-Zitat vor. Weil ich meine, wenn es jemanden nichts angeht, dann geht es ihn nichts an."

Lebensgefährliche Blutvergiftung
Krenn teilt in dem Interview auch mit, dass er vor wenigen Monaten mit einer lebensgefährlichen Blutvergiftung ins Krankenhaus eingeliefert wurde. Er sei jedoch wieder vollständig genesen. Die Ursache habe man nicht feststellen können. Gerüchte, jemand könnte versucht haben, ihn zu ermorden, wies Krenn zurück: "Ich kenn meine Pappenheimer, die mich nicht mögen, aber dass sie mich gleich aus der Welt schaffen würden, das glaube ich nicht." (apa/red)

25.7.2004 19:43