Mittwoch, 21. Juli 2004

Mir dem Kopf durch die Wand: Prozess
um tödliches "Touch Down"-Spiel

  • Kellnerin wegen fahrlässiger Tötung vor Gericht
  • Weitere Zeugen werden einvernommen

Fortgesetzt wurde am Salzburger Landesgericht der Prozess um den tödlichen Ausgang eines "Touch Down"-Spieles am 29. April 2003 in einem Lokal in Bürmoos (Salzburger Flachgau). Die 29-jährige Kellnerin Leza B., eine gebürtige Engländerin, soll den 30-jährigen Oberösterreicher Gerhard Renzl aus Moosdorf dazu animiert haben, mit einem Motorradhelm auf dem Kopf gegen eine Wand zu laufen.

Der alkoholisierte Mann starb drei Wochen später an den Folgen seiner schweren Wirbelverletzungen. Die Anklage lautet auf fahrlässige Tötung unter besonders gefährlichen Verhältnissen. Das Urteil wird gegen Abend erwartet.

Die Mutprobe nach Vorbild der MTV-Serie "Jackass" wurde bereits vor dem tragischen Vorfall in dem Bürmooser Lokal praktiziert. Ein Kreuz, das an die Wand gemalt war, diente als Zielpunkt. Für Gerhard Renzl endete das "Spiel zum Abbau von Aggressionen" tödlich. Dass er zum Zeitpunkt des Spiels durch Alkohol (1,68 Promille) beeinträchtigt gewesen war, hätte die Kellnerin erkennen müssen, argumentierte Staatsanwältin Herta Krainer am ersten Verhandlungstag am 9. Juni 2004.

Leza B. beteuerte ihre Unschuld. Sie habe Renzl weder zum "Touch Down" aufgefordert noch ihm die Spielregeln erklärt, betonte sie vor Richter Peter Reifenberger.

Verlierer des Spiels musste zahlen
Mehrere Zeugen schilderten zwar die ausgelassene Atmosphäre in der Gaststätte, bei der viel Alkohol geflossen sei, bestätigten aber die Aussagen der Beschuldigten. Zwei befreundete Frauen hingegen, die damals ebenfalls im Lokal saßen, belasteten die Kellnerin schwer. Diese habe gesagt, der Verlierer des Spiels müsse die nächste Runde "Ramazotti" bezahlen. Zudem habe sie noch genau erklärt, wie das "Touch Down" funktioniere.

Da sich die beiden Zeuginnen am ersten Prozesstag im "Kreuzverhör" mit dem Richter in Widersprüche verwickelt hatten, wurden für Mittwoch noch weitere Zeugen geladen. Zwei von ihnen gaben am Nachmittag an, dass sie sich nicht mehr an den Ablauf des Spieles erinnern könnten. "Wir haben wie die Löcher gesoffen. Ich bin selbst gegen die Wand gelaufen; am nächsten Tag hat mir das Genick wehgetan. Ich habe keine Ahnung, wie es zu dem Spiel gekommen ist", sagte ein 36-jähriger Verkäufer vor Gericht. (apa/red)

21.7.2004 14:53