Unsichere österreichische Schutzwege: Kuratorium für Verkehrssicherheit warnt
- Neue Sicherheitsrichtlinie soll Abhilfe schaffen
- "Anhalten vor dem Schutzweg" mit Aufklärungsbedarf
Schutzwege als Risikofaktor: Laut dem Kuratorium für Verkehrssicherheit (KfV) ereignen sich 23 Prozent aller Zusammenstöße mit Fußgängern auf den Übergängen. Nur 41 Prozent der Autofahrer halten laut einer KfV-Erhebung gesetzeskonform an, um den querenden Passanten den Übergang zu ermöglichen, so Direktor Othmar Thann. Eine neue Richtlinie soll Abhilfe schaffen.
Vor allem auf den ungesicherten Schutzwegen hat die Zahl der Unfälle in den vergangenen Jahren zugenommen, zeigen die Zahlen. 2003 gab es 333 Unfälle mit Personenschaden auf Übergängen, die mit Ampeln geregelt sind. Mehr als doppelt so viel - 699 - ereigneten sich auf ungeregelten. Seit 1993 gab es bei Letzteren zudem eine Steigerung von rund 50 Prozent, so das KfV.
Rund ein Drittel aller österreichischen Schutzwege bieten dem Fußgänger nur eine trügerische Sicherheit, kritisierte das KfV. Zwar sind die "Streifen" auf den Boden gepinselt, an einer guten Einsehbarkeit mangelt es bei diesen jedoch. Weitere Beanstandungen sind fehlende Inseln bei zu breiten Straßen oder zu hohe Tempolimits für Autofahrer.
Eine neue Sicherheitsrichtlinie, die von der "Österreichischen Forschungsgemeinschaft Strasse und Verkehr" ausgearbeitet worden ist, soll diese Mängel beseitigen. Darin ist festgeschrieben, wie die Mängel vermieden werden könne, etwa, ab welcher Straßenbreite eine Verkehrsinsel nötig ist, oder welche Sichtwinkel gewährleistet sein müssen.
Gesetzlich vorgeschrieben sind die Ratschläge damit aber noch nicht, erklärte Thann. Bisher gibt es nur eine Zusage aus Wien, wo die so genannte RVS 3.12 umgesetzt werden soll und alle Schutzwege überprüft werden, wie Bernd Skoric von der Magistratsabteilung 46 erklärte.
"Anhalten vor dem Schutzweg" mit Aufklärungsbedarf
Mehr Bewusstseinsbildung ist offenbar beim Thema "Anhalten vor einem Schutzweg" nötig: Obwohl es gesetzlich seit nunmehr zehn Jahren klar vorgeschrieben ist, dass die Autofahrer den Fußgängern bei "Zebrastreifen" ungehindert den Übergang ermöglichen müssen, sieht die Realität anders aus, berichtete Thann: "Man fährt so lange man kann und hofft, dass der Fußgänger entweder schon vorbei ist oder schon zurückspringt."
Das zeigen auch die vom KfV präsentierten Zahlen: Ein Viertel der Lenker bremst nicht einmal, wenn sich ein Passant bereits auf den Schutzweg befindet, rund zwei Drittel ignorieren Fußgänger die vor einem Übergang stehen und nur 20 Prozent bleiben stehen, wenn sie sehen, dass sich jemand einem solchen nähert.
Von Seiten des KfV wurden mehr Kontrollen bei Schutzwegen gefordert. Außerdem solle die neue Richtlinie angewendet werden und mehr Bewusstseinsbildung geschafft werden. (apa/red)
