Dienstag, 20. Juli 2004

Streit um Kasernen-Namen: Platter gegen Benennung nach Widerstandskämpfern

  • SP-Broukal: Platter-Nein "schlichtweg skandalös"

Verteidigungsminister Platter lehnt es ab, Kasernen nach Widerstandskämpfern zu benennen. Die "unabhängige Denkmal-Kommission" habe empfohlen, dem nicht näher zu treten, so der Minister. "Und aus diesem Grunde habe ich natürlich der Kommission Folge geleistet." Die Frage, ob er die Empfehlung der Kommission persönlich richtig finde, beantwortet Platter lediglich mit dem Hinweis auf die "klare Empfehlung".

Klar ist für ihn: Wenn eine Kommission installiert worden sei, "glaube ich, dass es wichtig ist dass die Politik dann auch dieser Empfehlung nachkommt".

Platter betonte gleichzeitig, er sei an einer "sauberen Aufarbeitung" des 20. Juli 1944 interessiert. Er habe daher andere Impulse gesetzt. Im Heeresgeschichtlichen Museum in Wien laufe derzeit eine Ausstellung zum "Tyrannenmord". Und für den Herbst sei ein Symposium der Landesverteidigungsakademie zu diesem Thema geplant.

Broukal zu Platter-Nein: "Schlichtweg skandalös"
SPÖ-Wissenschaftssprecher Josef Broukal bezeichnete das Nein von Verteidigungsminister Günther Platter als "schlichtweg skandalös". "Die militärische Pflicht verraten, um einer höheren, humanistischen Pflicht zu folgen - diese Erkenntnis war der Antrieb der Attentäter des 20.Juli 1944", so Broukal in einer Aussendung.

"Es ist schon traurig genug, dass die österreichische Bundesregierung am 60. Jahrestag des couragierten Anschlags auf Adolf Hitler keinerlei offizielle Gedenkveranstaltung abhält." Die Tatsache, dass Verteidigungsminister Platter just an diesem Tag verkünde, der Innenhof der Rossauer-Kaserne werde nicht nach Bernardis benannt, sei jedoch skandalös. Man müsse sich nun die Frage stellen, warum die vom Verteidigungsministerium eingesetzte Denkmalkommission versuche, die Rossauer-Kaserne vor dem Namen Bernardis zu schützen.

Bundespräsident Fischer hatte Umbenennung angeregt
Der neue Bundespräsident Heinz Fischer hatte am Montag die Benennung eines Innenhofes in der Rossauer Kaserne, dem Sitz des Verteidigungsministeriums, nach Robert Bernardis angeregt. Bernardis gehörte zum Kern der Gruppe rund um den Oberst im Generalstab Claus Schenk Graf von Stauffenberg, die am 20. Juli 1944 das - gescheiterte - Attentat auf Adolf Hitler versuchte. Bernardis wurde am 8. August 1944 gehängt. (apa/red)


(apa)

20.7.2004 19:20