Immer mehr Gewalt im Jugendgefängnis! Anzeige: Drei Beamte verprügelten Häftling
- Anstaltsleiter: Immer mehr psychisch auffällige Häftlinge
- Strafvollzug macht, was früher Irrenärzte erledigt haben
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Idee: Haus-Arrest statt Haft in übervollen Zellen
Das Wiener Jugendgefängnis platzt aus allen Nähten! Das ist nicht der einzige Grund zur Sorge: Denn es gibt immer mehr Gewalt - bis zu 40% der Insassen seien "psychisch auffällig". Außerdem wurde ein neuer Prügel-Fall bekannt: Drei Beamte sollen einen jugendlichen Häftling geschlagen haben.
Das berichtet die Wiener Stadtzeitung "Falter" in ihrer Mittwoch erscheinenden Ausgabe über einen Übergriff im Landesgerichtlichen Gefangenenhaus. Ein damals 18-Jähriger soll von drei Beamten ins Gesicht und auf den Rücken geschlagen worden sein, nachdem er aus seinem Zellenfenster lautstark Richtung Innenhof geschimpft hatte. Anstaltsleiter Oberst Peter Prechtl bestätigte der APA diesen Vorfall, der ins Jahr 2002 zurückreicht, als es noch den eigenen Jugendgerichtshof in Wien-Erdberg gab und das "Landl" quasi als Außenstelle nur die jungen Erwachsenen zu "übernehmen" hatte. "Der angebliche Übergriff wurde angezeigt. Das Verfahren wurde aber eingestellt", erläuterte Prechtl. Die Staatsanwaltschaft hatte keine ausreichenden Indizien für eine Anklage gegen die Justizwachebeamten gefunden.
Jugengefängnis platzt aus allen Nähten
Die im Wiener Landesgerichtlichen Gefangenenhaus integrierte Jugendabteilung platzt aus allen Nähten: Waren mit Stichtag 1. September 2003 dort noch 55 bis 60 Jugendliche untergebracht, ist diese Zahl per 1. Mai 2004 auf 120 bis 130 angestiegen. Zusammen mit den so genannten jungen Erwachsenen - Häftlinge zwischen dem 18. und 21. Lebensjahr - hat die Justizanstalt auf der Jugendabteilung insgesamt rund 250 Insassen zu betreuen. Ein immer größerer Prozentsatz davon legt psychische Auffälligkeiten an den Tag, was den Vollzug nun an den Rand des Machbaren geführt hat, wie Oberst Peter Prechtl im Gespräch mit der APA.
"Der Strafvollzug hat Aufgaben übernommen, die früher psychiatrische Kliniken erledigt haben", so der Anstaltsleiter. Es wären zwar Maßnahmen ergriffen worden, um diese Entwicklung in den Griff zu bekommen. Prechtl erwähnt unter anderem zwei Jugendpsychiaterinnen und den Versuch, eine "engere Betreuung" zu den Betroffenen aufzubauen: "Wir würden uns aber eine Einrichtung wünschen, wo man die problematischen Fälle besser bewältigen kann. Außerhalb, in einer psychiatrischen Klinik, etwa in einem Pavillon auf der Baumgartner Höhe. Ich kann nicht alles abfangen."
Bis zu 40% der Häftlinge sind psychisch krank!
Die Anzahl der psychisch kranken Jugendlichen sei mit den Haftzahlen angewachsen, so Prechtl. Er schätzt, dass 30 bis 40% der unter 18-Jährigen ein Verhalten an den Tag legen, das therapeutisch oder medikamentös behandelt gehört. Zuletzt musste die Jugendabteilung aus Platzgründen von sechs auf sieben Unterabteilungen vergrößert werden.
Das Justizministerium kennt die Lage
Das Justizministerium bestätigt die Situation, sieht aber keinen Anlass zu Besorgnis. Der zuständige Sektionschef Michael Neider: "Seit einem Jahr ist zusätzlich eine Jugendpsychiaterin 20 Stunden pro Woche im Einsatz. Die Kapazität wurde wesentlich erhöht." Er verweist "auf eine Reihe von Maßnahmen", die Erfolg gebracht hätten: "Die psychiatrische Versorgung ist in einem Ausmaß gewährleistet, das in Europa führend ist." Zum Wunsch des Anstaltsleiters auf externe Unterbringung besonders problematischer Häftlinge stellte Neider fest: "Dort, wo es notwendig ist, wird das geschehen." Dies sei auch bisher üblich gewesen. (apa)
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