Montag, 19. Juli 2004

Carlos Kleiber: Sein Leben, sein Werk

  • Fachpresse verlieh ihm den Titel "größter und schwierigster Dirigent der Welt"

Carlos Kleiber: Die Presse verlieh ihm den Titel "größter und schwierigster Dirigent der Welt". Viele seiner Kollegen sprechen mit Bewunderung und Hochachtung von ihm. Im Folgenden der Werdegang des großen Künstlers.

Kleiber wurde am 3. Juli 1930 in Berlin als Sohn des - gleichfalls als schwierig bekannten - österreichisch-argentinischen Dirigenten Erich Kleiber geboren. Seine österreichische Staatsbürgerschaft verlor er, als dem Vater und seinen Kindern im Exil in Buenos Aires die argentinische Ehrenstaatsbürgerschaft verliehen wurde. Seit 1980 zählt Carlos Kleiber wieder zu den Staatsbürgern unseres Landes.

Seine musikalische Ausbildung begann Kleiber 1950 in Buenos Aires. Zurück in Europa, zwang ihn der Vater zunächst zu einem Chemiestudium in Zürich. Doch bald siegte Kleibers musikalische Berufung. Seine Dirigentenlaufbahn begann 1952 am Theater in La Plata. Im Jahr darauf dirigierte er erstmals in Europa am Münchner Gärtnerplatztheater. Feste Engagements, etwa in Potsdam, Düsseldorf, Zürich und Stuttgart, waren die Ausnahmen in seiner Karriere. Er war stets ein gern gesehener, aber äußerst rarer Gast.

In Wien war Kleiber 1973 mit "Tristan" erstmals an der Staatsoper zu hören. 1978 folgte die Zeffirelli-"Carmen", Puccinis "Boheme" erst 1985. Nach einer weiteren "kleiberlosen" Zeit feierte er zuletzt 1994 mit einer Uraltinszenierung des "Rosenkavaliers" aus dem Jahr 1968, der er in seiner unvergleichlichen Weise neues Leben einhauchte, sowie mit einem Japan-Gastspiel neuerlich einen großen Triumph in Wien. Im selben Jahr wurde der Maestro mit dem Österreichischen Ehrenzeichen für Wissenschaft und Kunst ausgezeichnet.

Die Wiener Philharmoniker haben ihren "Wunschdirigenten" in eine Reihe mit Toscanini, Furtwängler, Böhm, Karajan und Bernstein gestellt. Zweimal - 1989 und 1994 - eröffnete der "Meister der Verweigerung", der keine Interviews gibt, den Philharmoniker-Ball. 1989 und 1992 leitete er zwei geradezu sensationelle Neujahrskonzerte, in denen er zu Gehör brachte, wie ein Johann Strauß-Walzer klingen soll und wie wienerisch er klingen kann.

Für Riccardo Muti, ist es die unglaubliche Präzision, mit der Kleiber jede seiner Interpretationen sorgfältigst vorbereitet, und die dann jenes Etwas an Improvisation und schwebendem Gleichgewicht erhält, die Kleiber so unerreichbar macht.

19.7.2004 13:40