Montag, 19. Juli 2004

Verwirrung um Tod Carlos Kleibers: Laut slowenischer Agentur bereits beigesetzt!

  • Nichte bestätigt Tod des 74-Jährigen
  • Kleiber galt als "größter und schwierigster" Dirigent

Der österreichische Dirigent Carlos Kleiber ist nach Angaben der slowenischen Nachrichtenagentur STA bereits am 13. Juli verstorben und am vergangenen Samstag (17. Juli) in Konjsica in der Region Zasavje im Osten Sloweniens begraben worden. Kleibers Mutter war nach Angaben von STA Slowenin.

Der hoch angesehene und gefeierte Dirigent galt als Pultstar mit dem kleinsten Repertoire und den seltensten Auftritten und als "Meister der Verweigerung", was etwa Interviews betraf.

"Enormer Verlust für die Musikwelt"
Mit Kleiber sei der "größte lebende Dirigent von uns gegangen", meinte Staatsopern-Direktor Ioan Holender gegenüber der APA. Damit werde auch "mein größter Wunsch für die Wiener Staatsoper, nämlich die Rückkehr Carlos Kleibers, zu Grabe getragen", so Holender. Der Verlust für die Musikwelt sei "schon seit Jahren enorm", da Kleiber schon lange nicht mehr dirigiert hatte. Der Grund hierfür sei gewesen, dass "Kleiber in der Kunst das gesucht hat, was niemand findet: Das Absolute". Der von Kleiber dirigierte "Rosenkavalier" an der Wiener Staatsoper bleibe "eine unerreichte Marke an diesem Haus".

Der österreichische Dirigent argentinischer Herkunft galt als "enfant terrible" der Musikszene. Wiederholt hatte er Aufführungen in letzter Minute "wegen Indisposition" abgesagt und für manchen Opernkrach gesorgt. Seinen Mythos verdankte Kleiber nicht zuletzt der Seltenheit seiner Auftritte. Von Herbert von Karajan ist der Ausspruch überliefert, Kleiber dirigiere nur, wenn seine Tiefkühltruhe leer sei.

Kleiber lebte zuletzt in Bayern
Kleiber wurde am 3. Juli 1930 in Berlin als Sohn des - gleichfalls als schwierig bekannten - österreichisch-argentinischen Dirigenten Erich Kleiber geboren. Seine österreichische Staatsbürgerschaft verlor er, als der Vater und seine Kinder im Exil in Buenos Aires argentinische Ehrenstaatsbürger wurden. 1980 erlangte Carlos Kleiber jedoch erneut die österreichische Staatsbürgerschaft. Zuletzt lebte Kleiber in Bayern.

Seine Dirigentenlaufbahn begann er 1952 im Theater in La Plata. Zurück in Europa, zwang ihn der Vater zunächst zu einem Chemiestudium in Zürich. Doch bald siegte Kleibers musikalische Berufung. Im Jahr darauf dirigierte er erstmals in Europa am Münchner Gärtnerplatztheater. Feste Engagements, etwa in Potsdam, Düsseldorf, Zürich und Stuttgart, waren die Ausnahmen in seiner Karriere. Er war stets ein gern gesehener, aber äußerst rarer Gast.

In Wien war Kleiber 1973 mit "Tristan" erstmals an der Staatsoper zu hören. 1978 folgte die Zeffirelli-"Carmen", Puccinis "Boheme" erst 1985. Nach einer weiteren "kleiberlosen" Zeit feierte er 1994 mit einer Uraltinszenierung des "Rosenkavaliers" aus dem Jahr 1968, der er in seiner unvergleichlichen Weise neues Leben einhauchte, sowie mit einem Japan-Gastspiel neuerlich einen großen Triumph in Wien. Im selben Jahr wurde der Maestro mit dem Österreichischen Ehrenzeichen für Wissenschaft und Kunst ausgezeichnet.

Verwirrung nach Bekanntgabe des Todes
Die Wiener Philharmoniker haben ihren "Wunschdirigenten" in eine Reihe mit Toscanini, Furtwängler, Böhm, Karajan und Bernstein gestellt. Zweimal - 1989 und 1994 - eröffnete der "Meister der Verweigerung", der keine Interviews gab, den Philharmoniker-Ball. 1989 und 1992 leitete er zwei geradezu sensationelle Neujahrskonzerte, in denen er zu Gehör brachte, wie ein Johann Strauß-Walzer klingen soll und wie wienerisch er klingen kann.

Das späte Bekanntwerden von Kleibers Tod sorgte zunächst für einige Verwirrung, als eine Todesmeldung der Nachrichtenagentur AP wieder zurückgezogen wurde. Diese hatte sich auf eine Bestätigung aus der Bayerischen Staatsoper bezogen, die sich jedoch später als nicht ausreichend sichere Quelle herausstellte. Die Bestätigung erfolgte dann durch die slowenische Nachrichtenagentur STA. (apa/red)

19.7.2004 13:29