Mittwoch, 21. Februar 2007

Die Deutschkreutzer Winzerin Monika Strehn reüssiert in der Männerdomäne

  • Understatement: Entweder man kanns, oder eben nicht
  • Know-How-Support durch einen "Flying Winemaker"

Frei nach Asterix: Das ganze Blaufränkischland ist von männlichen Winzern besetzt. Das ganze? Nein! Ein von unbeugsamen Idealistinnen bevölertes Weingut hört nicht auf Widerstand zu leisten. Die Deutschkreutzerin Monika Strehn machte durch beharrliches Streben nach Qualitätsverbesserung und mit mehreren nationalen und internationalen Auszeichnungen für Ihre Weine von sich reden.

Die Winzerin bewirtschaftet mitten im Blaufränkischland rund 45 Hektar Weingärten. Sie ist die jüngste Tochter des Hauses und erhielt 1993 die Verantwortung über das Weingut. Sorgfältige Weingartenarbeit, späte Lese, niedrige Hektarerträge und die gewissenhafte Verarbeitung in einem modern ausgestatteten Keller sind die Grundelemente für Ihre Top-Weine. Sehr viel an Know-How brachte ein Flying Winemaker - Michael Gadd aus Australien - ein.

Die Paradeweine des Weinguts sind die beiden Rotwein-Cuvees Pandur (Cabernet Sauvignon, Cabernet Franc, Merlot und Syrah) und Rhapsodie (Cabernet Franc und Syrah). Für beide gab es bereits mehrere Auszeichnungen.

Flash-Interview

NEWS-Networld hat Monika Strehn zu den aktuellen Jahrgängen und Ihrer Rolle als Frau befragt:

Wie entwickelt sich der 2003er und was ist für heuer zu erwarten?

Monika Strehn: Der Jahrgang 2003 ist im allgemeinen ein vollreifer, wuchtiger Wein, der uns Freude machen wird - bei mir im Keller macht besonders Blaufränkisch und
Merlot großen Spaß. Über den 2004 mache ich mir schon Sorgen, wir sind spät
dran - wenns so weitergeht - bin ich sehr skeptisch bezüglich Weinqualität 2004. Aber es ist noch nicht aller Tage Abend.

Was halten Sie von der Jagd nach neuen Rekorden beim Alkohol-Gehalt ( 15,5 % und mehr)?

Ich spüre bei meinen Kunden und mir das Verlangen nach "normalen" Weinen - d.h. fruchtige, angenehme, unkomplizierte Weine einfach genießen, ohne viel nachzudenken. Den Alkoholgehalt dieser Weine stelle ich mir bei 12,5 bis 13,5 vol% vor. Die sogenannten "großen" Weine bewegen sich - meiner Erfahrung nach - trotzdem bei 13,5 bis 14,5 vol% und das bereitet mir keine Sorgen. Wenn Trauben mit einer hohen Reife geerntet werden (2004 werden wir uns das sehnlichst wünschen), ist der Zuckergehalt um die 19 bis 21° KMW - das ergibt bei schonender, gekühlter Vergärung einen entsprechenden Alkoholgehalt, der kostmäßig fast nicht feststellbar ist und deshalb auch nicht stört.

Ich persönlich finde, dass man die Analysedaten der Weine viel zu wichtig
nimmt - Wein soll harmonisch sein, Spaß machen, der Gesamteindruck zählt -
und wenn das der Fall ist, interessieren mich einzelne Faktoren, wie Alkohol
oder Säure überhaupt nicht.

Wie schwer ist es für Sie als Frau in einem Männer-dominierten Berufszweig?

Entweder man kanns oder eben nicht - es zählt das Produkt. Aber man kann diese "Frauenpower" natürlich marktingmäßig ausnützen - was jetzt aber schon so viele sogenannte Frauenbetriebe machen, dass es langsam nicht mehr zieht.
Also Konzentrationen auf's Produkt -Wein - dann läuft's. Und die Männer des
Weinbauvereines Deutschkreutz würden sich zwar lieber die Zunge abbeissen,
als mit mir über Fachliches zu diskutieren, aber insgeheim haben sie mich
mittlerweilen akzepiert und ich ernte sogar hin und wieder Anerkennung (gut
versteckt - versteht sich!)
(red)

Weingut Strehn im Internet: www.strehn.at

21.2.2007 17:26