Mittwoch, 14. Juli 2004

Prammer zu Pensionsreform: Harmonisierung "auf dem Rücken der Frauen"

  • Zweite NR-Präsidentin fordert Ausgleich für Teilzeitarbeit
  • PLUS: Die Pensionsreform im Detail

Für die Zweite Nationalratspräsidentin Barbara Prammer wird die Pensionsharmonisierung "auf dem Rücken der Frauen ausgetragen". Weitere Harmonisierungsschritte für Beamte seien nicht erkennbar, stattdessen gebe es weitere Kürzungen bei Arbeitern und Angestellten sowie Bauern und Selbstständigen, kritisierte Prammer am Mittwoch in einer Pressekonferenz. Auf die unterschiedlichen Erwerbsverläufe bei Frauen (Stichwort: Teilzeitarbeit) werde keine Rücksicht genommen.

Prammer verwies darauf, dass fast 40 Prozent der Frauen in Teilzeitbeschäftigung stünden. Gerade dieser Gruppe bringe die Ausweitung der Durchrechnungszeit für die Pensionsberechnung von 15 Jahren auf das gesamte Lebenseinkommen aber massive Verluste. Die SP-Frauenvorsitzende fordert daher Ausgleichsmaßnahmen: Zumindest bis zum siebenten Lebensjahr des Kindes müsse Teilzeitarbeit so angerechnet werden, als wäre die betreffende Frau Vollzeit beschäftigt.

Kritik übt Prammer auch am geplanten "Pensionskorridor", also an der Möglichkeit mit 62 Jahren und 12,6 Prozent Abschlag in Pension zu gehen. Dies bringe den Betroffenen (im Wesentlichen nur Männern und Beamtinnen, da die meisten Frauen vorerst ohnehin schon vor 62 in Pension gehen dürfen, Anm.) Gesamtverluste von über 20 Prozent. Auch für Männer sei dies "nicht leistbar", kritisierte Prammer.

"Würde der Korridor für Frauen mit den selben Prämissen vorgeschlagen, wie für Männer, würden sich die Frauen das ohnehin nicht leisten können", befürchtet Prammer. Auch die geplanten dreiprozentigen Abschläge bei der Schwerarbeiterregelung lehnt die SP-Politikerin ab. Sie fordert, dass Männer mit 45 und Frauen mit 40 Versicherungsjahren "mit vollen Ansprüchen" in Pension gehen können.

Die höhere Anrechnung von Kindererziehung für die Pensionsbemessung (1.350 statt 650 Euro monatlich) sieht Prammer als "Verbesserung", die aber zu kurz greife. Sie befürchtet nämlich, dass diese Verdoppelung nicht rückwirkend für alle Frauen wirksam wird. Das vorgesehene freiwillige "Pensionssplitting" zwischen Ehepaaren lehnt Prammer ab. Dies sei nämlich nur möglich, wenn der Mann gut verdiene. Prammer: "Wenn ein Mann nur ein Durchschnittseinkommen hat, dann nützt das Pensionssplitting auch nichts, weil dann hat er nichts und sie nichts."
(apa, red)

14.7.2004 11:00