Montag, 12. Juli 2004

Tabuthema Abtreibung - (k)ein Streitfall: Was die prominenten Frauen dazu sagen

  • Warum die Fristenlösung wieder in Frage gestellt wird
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Die Geschichte der Fristenlösung ist eine lange und abgeschlossene", sagt die ehemalige Frauenministerin Johanna Dohnal, 65. "Ich habe als Politikerin und als Frau jahrzehntelang für das Recht auf Abtreibung gekämpft. Und gehöre der Frauengeneration an, die ein Leben lang von unerwünschten Schwangerschaften begleitet war. Auch ich habe, wie so viele Frauen, abgetrieben. Jetzt ist höchste Wachsamkeit geboten, damit die Fristenlösung von konservativen Kräften nicht wieder infrage gestellt wird. Das wäre Wahnsinn."

Tatsächlich rumort es seit Wochen rund um die Paragraphen 96 bis 98 des Strafgesetzbuches. In Salzburg, Tirol, Vorarlberg, Kärnten und dem Burgenland können keine legalen Abtreibungen in öffentlichen Spitälern durchgeführt werden. Betroffene Frauen müssen ins grenznahe Bayern oder eben in andere heimische Bundesländer ausweichen.

Die Diskussion bleibt. Auch unter Österreichs prominenten Frauen, die WOMAN zum Thema durchgerufen hat. "Ich würde nie und nimmer abtreiben", sagt Katrin Reisinger, 33. Die Schauspielerin findet, dass damit "zu leichtfertig umgegangen wird. Denn eine Abtreibung bedeutet, einen Menschen zu töten. Und wer alt genug ist, ein Kind zu zeugen, sollte sich auch über die Folgen bewusst sein."

In Österreich ist die Fristenlösung - Straffreiheit bei Abtreibung bis zur zwölften Woche, danach nur mit Indikation eines Arztes - seit 30 Jahren gesetzlich verankert.
Nach offiziellen Schätzungen werden hierzulande 30.000 bis 45.000 Abtreibungen pro Jahr durchgeführt. Eine hohe Zahl, die Österreich an die Spitze der EU-Länder katapultiert (Italien: 27, Deutschland 11, Niederlande: 10, Frankreich: 23). Österreich ist neben Portugal und Luxemburg das einzige EU-Land, in dem es keine derartige Meldepflicht gibt. Dazu Alexandra Bösch-Kemter, Leiterin der Serviceabteilung des Ambulatoriums für Schwangerenhilfe am Wiener Fleischmarkt: "Der überwiegende Teil der Frauen hat versucht, eine ungewollte Schwangerschaft zu verhindern. Die meisten unerwünschten Schwangerschaften entstehen aus Verhütungspannen, Anwendungsfehlern und leider immer noch aufgrund mangelnder Information." Es sei schlichtweg Unsinn, so die Lebens- und Sozialberaterin weiter, "dass Frauen Abtreibung als Verhütungsmittel einsetzen".

Verhütung als Problem
"Heutzutage gibt es wirklich verlässliche Verhütungsmittel", sagt Dagmar Koller, 63, und erinnert sich an die Zeit, als es keine Pille gab. "Als ich in jungen Jahren völlig mittellos schwanger wurde und nach einer Odyssee durch einige Länder endlich einen Arzt fand, der mir half, obwohl Abtreibung verboten war, fühlte ich mich schon sehr befreit." Dennoch steht der Musicalstar heute der Fristenlösung skeptisch gegenüber. "Das soll nicht heißen, dass ich die Fristenlösung prinzipiell ablehne. Aber ich bin sehr katholisch und finde, wenn ein Ei befruchtet ist, ist auch Leben da. Und damit soll man nicht leichtfertig umgehen."

Deutlicher Rechtsruck
Allen Diskussionen zum Trotz begrüßt jedoch die Mehrheit der Österreicherinnen die geltende Regelung. "Die konservativen Positionen der schwarz-blauen Regierung haben allerdings ihre Ausstrahlung", ist Heide Schmidt, 55, Leiterin des Instituts für eine offene Gesellschaft, überzeugt. "Alltagsgespräche setzen Frauen wieder unter Druck, Fundamentalistenvereine werden lauter, die Zahl der ÄrztInnen, die Abtreibungen vornehmen, wird geringer. Es besteht die Gefahr eines Rückfalls in die Zeit, in der Abtreibung ein Privileg jener war, die es sich leisten konnten."

12.7.2004 12:48