Mittwoch, 14. Juli 2004

Moores Krieg gegen George W. Bush

  • Moore im O-Ton: „Wahnsinn ein Ende bereiten!“
  • Vor dem Start seiner grandiosen Anti-Bush-Dokumentation „Fahrenheit 9/11“

Als wir ihn im vergangenen Herbst nach Wien brachten, war das Volkstheater Minuten nach der Ankündigung zweimal ausverkauft. Die Ovationen waren dann des Popstars der Linken würdig. Mittlerweile hat Michael Moore, 50, zum Oscar noch die Goldene Palme von Cannes gesellt. Und wir freuen uns, die nächste Kooperation mit dem personifizierten Alptraum George W. Bushs anzukündigen: „Fahrenheit 9/11“ läuft am 6. August in deutscher Sprache an. Wir können zweimal zehn Leser in die Vorpremiere einladen. Zuvor trafen wir ihn in New York.

Moore: „Mein Ziel ist die Beseitigung von George W. Bush aus dem White House! Wir brauchen einen Regimewechsel in diesem Land!“
NEWS: Werden Sie bedroht?
Moore: Ich weiß nicht davon. Sie etwa? Ich bin o. k. Das wäre natürlich ein tolles Statement, wenn man mich nächste Woche im Fluss treibend fände.
NEWS: Weshalb haben Sie den US-Medien Versagen vorgeworfen?
Moore: Ich kann mich erinnern, wie ich als kleiner Bub JFK sah, als er uns auf einer Tafel zeigte: Hier sind die auf uns gerichteten Nuklearraketen. Diesmal hat Colin Powell eine Show mit Computergrafiken abgezogen, die einer Gymnasialklasse unwürdig ist. Niemand von der Presse hat das hinterfragt – und jetzt ist es ihnen peinlich. Deshalb ziehen sie mich durch den Dreck. Wenn ich als schlichter Maturant mit Baseballkappe der Bevölkerung die Hintergründe des Irak-Debakels vorführen kann, warum sehen wir das nicht in den Nachrichten? Weil sie alle im Bett mit der Armee liegen! Und dann gehören die TV-Networks natürlich auch großen Waffenfirmen. Sie haben die Bevölkerung im Stich gelassen, weil sie nie harte Fragen stellten – und jetzt sind 870 Soldaten tot. Das Blut der Kids klebt an ihren Händen!
NEWS: Was kann Ihr Film im Ausland erreichen?
Moore: Die Menschen sollen jene Führer stürzen, die mit Bush gemeinsame Sache gemacht haben – wie die Spanier. Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein aus dem Kino gehender Italiener nicht denkt: Was macht unser Premier mit Bush? Das ist eine Schande! Leider sind wir in Amerika an das Jammern der Liberalen gewöhnt. Die sind Weicheier. Ich habe die Schnauze voll von ihnen! Die Demokraten verlieren sogar Wahlen, die sie gewonnen haben! Das ist besonders tragisch, da wir ja eigentlich in einem liberalen Land leben. Die Amerikaner würden sich zwar nie als „liberal“ bezeichnen, doch was ihre Werte betrifft, ist die Mehrheit der US-Bürger liberal und unterstützt Frauenrechte oder fordert stärkere Waffengesetze. Nur die liberale Leadership – fast ein sich selbst widersprechender Begriff – ist eine Enttäuschung.
NEWS: Wie groß ist der Schaden für das weltweite US-Image?
Moore: Bush sagt, die hassen uns, weil sie die Freiheit hassen! Aber man hasst nicht uns Amerikaner, sondern ihn.
NEWS: Machen Sie nicht Profit mit Bush?
Moore: Ich stand bei der Oscar-Verleihung mitten im Krieg auf der Bühne und sagte: „Schämen sie sich, Mr. Bush!“ War das populär? Alle haben gesagt: Endlich, das ist das Ende von Moores Karriere. Von der Oscar-Bühne gebuht! Ich bin oftmals in meiner Karriere Risiken eingegangen, um meine Meinung zu sagen – weil ich weiß, dass die Amerikaner die ihre ändern können, wie jetzt beim Irakkrieg. Und anders als in Vietnam dauerte es diesmal nicht Jahre, sondern Monate.
NEWS: Man wirft Ihnen vor, zu manipulieren und Unwahrheiten zu verbreiten.
Moore: Die Fakten sind korrekt. Ich fordere jeden heraus, mir einen Fehler nachzuweisen. Die Wertung dieser Fakten freilich basiert auf meiner Meinung. Aber wenn ich sage, 1,4 Milliarden Dollar flossen aus Saudi-Arabien zur Bush-Familie und ihrem Umfeld, dann ist das eine Tatsache. Alle Be-weise stehen auf meiner Website (www.michaelmoore.com).
NEWS: Wie können die Bürger anderer Staaten beim Regimewechsel in den USA behilflich sein?
Moore: Leute in Österreich könnten etwa jedem Amerikaner, der nicht für Bush stimmt, einen freien Skiurlaub anbieten. Oder, wenn sie aus Argentinien sind, ein Gratis-Steak. Sonst haben die Österreicher den USA ohnehin schon ein großartiges Geschenk gemacht: Arnold Schwarzenegger, Gouverneur von Kalifornien und vielleicht künftiger US-Präsident.

Das komplette Interview lesen Sie im neuen NEWS
PLUS: Mit NEWS zur Premiere: 20 Leser können „Fahrenheit 9/11“ vorab sehen

14.7.2004 16:22