Bill Clinton im NEWS-Interview:
Besuch bei Big Bill
- Ex-US-Präsident über Bush, Kerry & Schwarzenegger
- Das komplette Interviw im Originalton zum Anhören
US-Polit-Popstar Live: Im Berliner Nobelhotel Adlon sprach der einst mächtigste Mann der Welt mit NEWS über seine Lebensbilanz-Bio & seine neuen Zukunftspläne.
NEWS: In Ihrem Buch beschreiben Sie eine rechte Verschwörung gegen Sie. Regieren nicht Teile dieser Verschwörung heute die USA, und versuchen sie nicht, nach der kommenden Wahl weiter zu regieren?
Clinton: Die jetzige Wahlkampagne ist eine Wahl zwischen zwei Männern mit unterschiedlichen Weltanschauungen, die unterschiedliche Prioritäten für Amerika und die Welt setzen. Ein großer Anteil der Republikanischen Partei besteht aus diesem sehr konservativen rechten Flügel. Diese Leute waren acht Jahre gegen mich, sie waren der Meinung, ich sollte nicht gewinnen, sie waren verärgert darüber, dass ich die Wahl gewonnen habe, und als meine Politik die ersten positiven Resultate gezeigt hat, waren sie noch verhärmter (lacht). Nun haben sie ihre Regierung, ihre eigene Politik. Die kommende Wahl wird ein Wettkampf zwischen den Ideen und der Politik von Senator Kerry und Präsident Bush.
NEWS: Sie meinten einmal, wenn die Sicherheitspolitik den Wahlkampf dominiert, wäre das schlecht für Senator Kerry.
Clinton: Da habe ich mich geirrt. Kerry hat nun eine exzellente Chance, die Sicherheitsdebatte zu gewinnen. Nach der Veröffentlichung des CIA-Untersuchungsberichts des Senats und vor der Veröffentlichung des 9/11-Reports gibt es für das amerikanische Volk nun die Möglichkeit, abzuwägen, ob Kerrys Ideen über nationale Sicherheit besser sind als die von Bush aber nicht nur das: Die Frage ist auch, ob Kerrys Ideen zur Wirtschafts- und Sozialpolitik besser sind als die von Bush.
NEWS: Wie würden Sie Ihre eigenen Leistungen in Fragen der Terrorbekämpfung einschätzen? Haben Sie etwa genug getan, um bin Laden zu schnappen?
Clinton: Wir waren mehr als einmal sehr knapp dran: Insgesamt dreimal sagte die CIA, die Informationen seien nicht stichhaltig genug, um einen Angriff zu rechtfertigen. Die Experten hatten das Gefühl, dass wir Gefahr gelaufen wären, unschuldige Zivilisten zu töten, ohne die Sicherheit zu haben, dass wir auch bin Laden erwischen. Eine andere Frage war, ob ich nach dem Anschlag auf das US-Schiff USS Cole einen Angriff mit US-Spezialeinheiten gegen al-Qaida in Afghanistan anordnen hätte sollen. Ich konnte FBI und CIA aber nicht dazu kriegen, sich darüber einig zu werden, ob bin Laden hinter dem Anschlag steckt. Wenn sie sich darüber einig gewesen wären, hätte ich ohne Zögern einen Schlag angeordnet.
NEWS: Was geht einem eigentlich durch den Kopf, wenn man derartige Entscheidungen trifft? Sie haben selbst Militäroperationen angeordnet, wo es unschuldige Opfer gegeben hat. Sie konnten nur hoffen, dass die Resultate diese Opfer rechtfertigen.
Clinton: Jedes Mal, wenn man einen Militärschlag anordnet, ist das Risiko mehr als 50 Prozent, dass unschuldige Zivilisten zu Schaden kommen, egal wie zielgenau heutige Waffensysteme sein mögen. In diesem Golfkrieg gab es viele zivile Opfer. Im ersten Golfkrieg waren es noch mehr, weil die Waffen weniger präzise waren. Man weiß also: Es wird zivile Opfer geben. Die Fragen, die man sich also
zu stellen hat, lauten: Werden noch mehr Menschen sterben, wenn ich diesen Militärschlag nicht anordne?, Werden Menschen ihre Freiheit verlieren, wenn ich es nicht tue?, Wird die Sicherheit vieler Menschen aufs Spiel gesetzt, wenn ich es nicht tue?. Im Falle des Kosovo gab es einige Fälle fehlgeleiteter Bomben, bei zwei Fällen waren die Menschen, die wir getroffen haben, genau jene, die wir beschützen wollten; dann haben unsere Bomben die chinesische Botschaft in Belgrad getroffen drei chinesische Staatsbürger haben dabei ihr Leben verloren. Eine furchtbare Sache. Auf der anderen Seite: Die Politik von Milosevic hat im Kosovo zu mehr als einer Million Flüchtlingen geführt, 30.000 bis 40.000 Menschen starben. Wir konnten das Töten stoppen, die Vertriebenen nachhause bringen. Ich habe also das Gefühl, dass sich die Waagschale der Geschichte zu meinen Gunsten neigt. Allerdings: Von der Warte eines Familienmitglieds einer jener Menschen, die durch unsere Bomben gestorben sind, aus bedeutet diese Waagschale der Geschichte nicht viel. Darum sollte ein Krieg vermieden werden, wann immer es möglich ist.
NEWS: Wie sieht die Waagschale der Geschichte beim Irak-Krieg aus?
Clinton: Saddam Hussein hat während seiner Herrschaft viel mehr Menschen umgebracht, als durch den Golfkrieg ihr Leben verloren haben. Die Frage lautet also: Wird es dem irakischen Volk schlussendlich besser gehen als bisher? Wird die Region sicherer? War es eine kluge Taktik, so viele Ressourcen von Afghanistan und der Bekämpfung al-Qaidas in den Irak umzuleiten? Das wird wohl auch eine jener Fragen sein, die in dieser Wahlauseinandersetzung diskutiert werden.
Das komplette Interview lesen Sie im neuen NEWS
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